Hitze Alarm:
Zwei Drittel aller Beschäftigten leiden am Arbeitsplatz
Die nächste Hitzewelle steuert auf Tirol zu und damit äußerst herausfordernde Tage für die Beschäftigten. Wie eine noch laufende Umfrage des ÖGB, an der sich bisher rund 2.400 Beschäftigte beteiligt haben, ergab, leiden knapp zwei Drittel leiden in der Arbeit oft oder fast täglich unter den hohen Temperaturen. „Hitze am Arbeitsplatz betrifft mittlerweile fast alle Berufsgruppen, sei es beispielsweise in der Produktion, im Dienstleistungsbereich, im Büro oder im Gesundheits- oder Sozialbereich. Vor allem angesichts des sich immer weiter verschärfenden Klimawandels und der zu erwartenden Extremtemperaturen, müssen wir endlich umfassende Maßnahmen zu mehr Hitzeschutz am Arbeitsplatz treffen!“, mahnt Tirols geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied ein.
Verheerende Auswirkungen der hohen Temperaturen
Sie verweist auf die ÖGB-Umfrage, laut der drei von zehn Beschäftigten bei Temperaturen von 33 Grad und mehr arbeiten, elf Prozent sogar bei mehr als 36 Grad. Die Folgen für die Beschäftigten sind verheerend: Bereits bei 32,5 Grad steigt die Unfallgefahr um 6 Prozent, ab 35 Grad geht man von Leistungseinbußen von bis zu 50 Prozent aus. Laut der ÖGB-Erhebung arbeiten nur 7 Prozent der Teilnehmer:innen die einer angenehmen bzw. empfohlenen Temperatur. „Die Klimakrise ist mitten in der Arbeitswelt angekommen, macht Hitzewellen häufiger und extremer und gefährdet damit zunehmend die Gesundheit der Beschäftigten“, zeigt Föger-Kalchschmied auf.
Hitzeschutz-Regelung für Innenräume
Die Befragten, die bei 33 Grad und mehr arbeiten müssen, kommen aus den unterschiedlichsten Branchen, unter andrem Bau, Krankenhäuser, Pflege, Kindergärten, Gastronomie, Schule, Security und Werkstätten. „Das zeigt, dass Hitze am Arbeitsplatz nicht nur Tätigkeiten im Freien betrifft, sondern sehr wohl auch in Innenräumen. Für den Außenbereich war die Hitzeschutzverordnung ein wichtiger Schritt. Jetzt braucht es auch wirksame Hitzeschutz-Regeln für Innenräume. Niemand soll seine Gesundheit aufs Spiel setzen müssen, nur weil am Arbeitsplatz der entsprechende Hitzeschutz fehlt!“, fordert die Tiroler ÖGB-Chefin Maßnahmen ein.
Fast zwei Drittel wollen Hitzebeauftragten
Rund 63 Prozent der Umfrage-Teilnehmer:innen gaben an, sich eine:n Hitzebeauftragte zu wünschen. Mehr als jede zweite Person (55 Prozent) befürwortet zudem die Einbindung des Betriebsrats sowie den Einsatz von Sonnenschutzfolien. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) spricht sich für eine Kühlung aus. Den Angaben zufolge setzt der Großteil der Betriebe (67 Prozent) auf natürliche Kühlung, bei 44 Prozent der Teilnehmer:innen gibt es eine Beschattung. Weitere Maßnahmen in den Betrieben sind kühle Getränke am Arbeitsplatz (43 Prozent) sowie klimatisierte Fahrzeuge oder Pausenräume (38 Prozent).
Betriebe in der Pflicht
Arbeitgeber:innen haben gegenüber ihren Beschäftigten die Verpflichtung, für angenehme Raumtemperaturen zu sorgen, diese sind in § 28 AStV geregelt. Demnach besteht bei Arbeiten mit geringer körperlicher Belastung eine Obergrenze der zulässigen Lufttemperatur in Arbeitsräumen von 25°C, bei normaler körperlicher Belastung von 24°C. Wenn diese Temperaturen aufgrund der Witterungsbedingungen nicht eingehalten werden können, müssen in der warmen Jahreszeit Maßnahmen zur Senkung der Temperaturen durchgeführt werden. Eine Pflicht zur Installation von Klimaanlagen besteht allerdings nicht.
Klimawandel auf dem Vormarsch: Politik gefordert
Der ÖGB Tirol fordert von der Politik einen umfassenden Hitzeschutzplan, der alle Arbeitsorte miteinschließt, sowie ein entschlossenes Vorgehen gegen den Klimawandel. „Arbeitnehmer:innenschutz und Klimaschutz gehören untrennbar zusammen. Wer in einer Produktionshalle, einer Hotelküche, auf einer Baustelle im Innenbereich, im Friseursalon oder einem überhitzten Büro arbeitet – um nur ein paar Beispiele von vielen zu nennen - ist gesundheitlichen Belastungen ebenso ausgesetzt wie Beschäftigte auf Baustellen oder im Straßenbau. Hohe Temperaturen führen zu Konzentrationsverlust, Kreislaufproblemen und erhöhen das Unfallrisiko massiv. Die Klimakrise ist längst in der Arbeitswelt angekommen. Die Politik ist hier klar in der Verantwortung, alle nur möglichen Maßnahmen gegen den Klimawandel endlich zu realisieren!“ Ein Hitzeschutzplan wiederum könnte von verpflichtenden Pausen in kühleren Räumen, über bauliche Schutzmaßnahmen bis hin zu freien Tagen ab einer gewissen Temperatur reichen. Die seit 1. Jänner 2026 für Arbeiten im Freien geltende Hitzeschutzverordnung sei ein „Meilenstein“, so Föger-Kalchschmied, allerdings müsse es auch für Arbeiten im Innenbereich verpflichtende Schutzmaßnahmen geben.
Die Umfrage des ÖGB läuft seit 8. Juni 2026 und endet am 1. September 2026, siehe https://www.oegb.at/hitze-umfrage