Lohntransparenz
Lohntransparenz-Richtlinie - JETZT!
Die EU-Lohntransparenzrichtlinie ist beschlossenes Recht – doch Österreich zählt zu den wenigen EU-Mitgliedstaaten, die noch keine nationalen Umsetzungsschritte unternommen haben. Für ÖGB-Landesvorsitzenden Reinhard Stemmer ist klar: „Die Richtlinie muss endlich umgesetzt werden. Beschlossen ist beschlossen. Wer jetzt weiter blockiert oder verzögert, stellt sich gegen faire Bezahlung und gegen die Gleichstellung von Frauen.“ Er fordert damit auch ein sofortiges Ende der Blockade durch Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung.
Der Handlungsdruck ist in Vorarlberg besonders groß: Mit einem Gehaltsunterschied von 21,7 Prozent zwischen Frauen und Männern bei Vollzeitarbeit weist das Land den höchsten Gender Pay Gap in ganz Österreich auf. „Das bedeutet, dass Frauen hierzulande für gleiche oder gleichwertige Arbeit noch immer deutlich weniger verdienen als Männer. Diese Ungerechtigkeit zieht sich durch das gesamte Erwerbsleben – und sie setzt sich bis in die Pension fort“, betont Stemmer. Eine Frau in Vorarlberg verliert durch den Gender Pay Gap über ein Berufsleben gerechnet Zehntausende Euro. „Das ist keine abstrakte Zahl – das ist Ungerechtigkeit, die wir mit einem funktionierenden Gesetz beenden können."
Was die Richtlinie bringt: Transparenz als Schlüssel zur Gleichstellung
Die EU-Lohntransparenzrichtlinie sei deshalb ein wichtiger Schritt hin zu mehr Fairness und wirtschaftlicher Sicherheit für Frauen. Künftig sollen Beschäftigte besser nachvollziehen können, nach welchen Kriterien Gehälter, Boni oder Zulagen vergeben werden. „Intransparenz schützt bestehende Ungleichheiten. Nur wenn sichtbar wird, wo Unterschiede bestehen, können diese auch beseitigt werden“, so Stemmer.
Aus Sicht des ÖGB Vorarlberg muss die nationale Umsetzung drei zentrale Elemente beinhalten: erstens eine starke Rolle der Betriebsräte bei der betrieblichen Handhabung, zweitens umfassende Information für alle Beschäftigten und drittens klare, unmissverständliche gesetzliche Vorgaben für Unternehmen – ohne Schlupflöcher. "Mehr Lohntransparenz ist der wirksamste Hebel, um den Gender Pay Gap zu schließen. Nur wenn sichtbar wird, wo Ungleichheiten bestehen, können sie auch abgebaut werden. Die Richtlinie liefert dafür das notwendige Werkzeug – wir müssen es jetzt auch einsetzen", so Stemmer.
Zur Kritik von WKO und IV: Fairness kostet – aber Ungerechtigkeit kostet mehr
Kritik an der Blockadehaltung kommt vom ÖGB auch gegenüber Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung, die vor zusätzlicher Bürokratie warnen. „Natürlich kritisieren Unternehmensvertreter diese Richtlinie, weil sie dadurch stärker verpflichtet werden, gleiche Arbeit auch gleich zu bezahlen. Das bedeutet in vielen Fällen höhere Einkommen – vor allem für Frauen. Genau darum geht es aber: um Fairness und gleiche Chancen“, sagt Stemmer.
Die Argumentation der Arbeitgeberseite greife zu kurz. Faire Löhne seien nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. „Frauen verdienen nicht weniger, weil sie weniger leisten, sondern weil bestehende Strukturen sie benachteiligen. Wer gerechte Löhne schafft, stärkt Kaufkraft, soziale Sicherheit und letztlich auch den Wirtschaftsstandort“, erklärt der ÖGB-Landesvorsitzende.
Besonders wichtig sei außerdem, dass die Umsetzung der Richtlinie ohne Schlupflöcher erfolgt und Betriebsräte eine starke Rolle bei der Kontrolle und Umsetzung erhalten. „Es braucht klare gesetzliche Vorgaben und echte Transparenz. Frauen dürfen nicht länger Monat für Monat Geld verlieren, weil Gleichstellung verschleppt wird“, fordert Stemmer abschließend.