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Arbeitslosigkeit

Das Problem sind unzumutbare Jobs

Keine Notstandshilfe, weil Küchenhilfe 12-Stunden-Tag ablehnte

In der Diskussion rund um Arbeitslosigkeit und offene Stellen werden strukturelle Probleme meist ignoriert. Einfacher ist es, Arbeitslose als faul zu bezeichnen, als dort hinzuschauen, wo es wirklich hakt: bei den Arbeitsbedingungen. Wenn bestimmte Branchen also keine Arbeitskräfte finden, dann sind die Ursachen meist bei schlechter Bezahlung und unattraktiven Arbeitszeiten zu finden.

Abgelehnt, weil Küchenhilfe nicht 12 Stunden am Tag arbeiten wollte

20 Jahre Berufserfahrung in der Gastronomie kann Susanne M. vorweisen. Aber in der Gastro ist das kein Argument: Mit 55 war die Küchenhilfe bereits sechs Jahre vergeblich auf Arbeitssuche. Eine Stunde unterwegs in die Arbeit, davon 20 Minuten Fußweg, egal ob bei brütender Hitze oder eisiger Kälte – all das hätte Susanne M. mit Freude in Kauf genommen, um nicht mehr mit nur rund 750 Euro pro Monat über die Runden kommen zu müssen. Als sie bei einem Bewerbungsgespräch sagte, dass sie nicht regelmäßig 12 Stunden arbeiten wolle, wurde sie abgelehnt und ihr wurde die Notstandshilfe gestrichen. Die AK Wien hat für die Arbeitnehmerin jetzt erfolgreich die Nachzahlung erstritten.

Arbeitslose als faul zu bezeichnen ist nicht nur einfach, sondern falsch. Besser wäre, dort hinzuschauen, wo es wirklich hakt: bei den Arbeitsbedingungen.

Dieser Fall ist nur einer von vielen, der beweist, dass es im Kern nicht darum geht, ob Arbeitslose arbeiten wollen, sondern darum, in welche Jobs sie gedrängt werden. Wenn es im Handel rund 45.000 und in der Gastronomie rund 27.000 Arbeitslose gibt, obwohl zahlreiche Stellen offen sind, muss man sich fragen, ob die angebotenen Jobs zumutbar sind. Denn wie können tausende Arbeitssuchende nicht auf die angebotenen Jobs passen? 

Strukturelle Diskriminierung und schlechte Arbeitsbedingungen

Ja, zum einen kann die Qualifikation nicht vorhanden sein – aber das trifft nicht auf alle zu. Vielmehr sollte auf schlechte Arbeitsbedingungen und strukturelle Diskriminierung geachtet werden: Frauen um die 30 könnten schwanger werden, ab 55 ist man zu alt, Junge haben zu wenig Erfahrung und wer eine dunkle Hautfarbe hat oder ein Kopftuch trägt, wird gar nicht mal zum Bewerbungsgespräch eingeladen – auch das trifft nicht auf alle zu, sollte aber als Problem erkannt und gelöst werden. 

Die Daumenschrauben bei den Arbeitslosen anzuziehen, bringt jedenfalls keinen einzigen zusätzlichen Job, sondern erhöht nur den Druck auf all jene, die eine Arbeit haben. Wenn bestimmte Branchen keine Arbeitskräfte finden, muss man sich die Arbeitsbedingungen anschauen. Und: Es braucht Sanktionen für Firmen, die sich nicht an das Arbeitsrecht halten.

 

Mehr zum Thema "Druck auf Arbeitslose" in unserer ÖGB-Podcast-Folge: Under Pressure – mehr Druck auf Arbeitslose

    

Druck auf Arbeitslose bringt keinen neuen Job

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