Zum Hauptinhalt wechseln
Senior woman working from home on laptop with thoughtful expression in modern loft office
Ältere Arbeitnehmer:innen, die ihren Job verlieren, haben kaum Chancen, einen neuen zu finden. Daniel – stock.adobe.com

Bonus-Malus-System: So sollen mehr ältere Menschen Arbeit finden

ÖGB/AK-Modell brächte 133 Millionen Euro für Beschäftigungsprojekte und für die Wiedereingliederung älterer Arbeitsloser

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ältere Arbeitnehmer:innen, die ihren Job verlieren, haben kaum Chancen, einen neuen zu finden.
  • Ein Viertel aller Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeiter:innen beschäftigt niemanden, der älter als 60 ist. 61 Prozent der Betriebe beschäftigen keine Frau über 60.
  • Trotzdem kommen auch aus der Wirtschaft immer mehr Forderungen, dass länger gearbeitet werden muss, um das Pensionssystem zu finanzieren.
  • ÖGB und AK fordern deswegen ein Bonus-Malus-System: Betriebe, die keine älteren Arbeitnehmer:innen beschäftigen, sollen zahlen. Mit diesem Geld werden Beschäftigungsprojekte für Ältere finanziert.

Die Diskussion über die Zukunft des Pensionssystems dreht sich seit Jahren im Kreis: Immer wieder werden Leistungskürzungen oder ein höheres gesetzliches Pensionsalter gefordert. Eine entscheidende Frage bleibt dabei ausgeblendet: Wo sind die Arbeitsplätze für ältere Menschen?

Für den ÖGB ist klar: Eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters kommt nicht infrage. Wer kann und will, hat schon heute starke Anreize, den Pensionsantritt über das 65. Lebensjahr hinaus aufzuschieben. Entscheidend ist vielmehr, dass Menschen bis zum bestehenden Pensionsalter in Beschäftigung bleiben können.

Denn an den Beschäftigten liegt es nicht: Das faktische Pensionsantrittsalter steigt kontinuierlich. Wer von Menschen verlangt, länger zu arbeiten, muss auch dafür sorgen, dass sie einen Arbeitsplatz haben und gesund arbeiten können. Die Realität am Arbeitsmarkt sieht allerdings anders aus.

Ein Viertel aller Betriebe beschäftigt niemanden über 60

Trotz Fachkräftemangels werden ältere Beschäftigte in vielen Unternehmen offenbar nicht gebraucht: In mehr als einem Viertel der heimischen Betriebe ab 20 Beschäftigten arbeitet keine einzige Person über 60. Besonders betroffen sind Frauen: 61,6 Prozent der Betriebe beschäftigen keine Frau über 60.

Tausende Menschen werden so wenige Jahre vor dem Pensionsantritt beim AMS „geparkt“. Besonders problematisch daran ist, dass sich Arbeitslosigkeit im Alter verfestigt. Menschen die 60-64 Jahre alt sind und arbeitslos werden, bleiben das im Mittel für 451 Tage. Das ist weit länger, als Personen im Haupterwerbsalter von Arbeitslosigkeit betroffen sind, hier sind es durchschnittlich 182 Tage. Die Folgen der Altersdiskriminierung tragen die Betroffenen und die Allgemeinheit – mit Kosten von Hunderten Millionen Euro für das Sozialsystem.

Betriebe endlich in die Verantwortung nehmen

„Bevor wir weiter über ein höheres gesetzliches Pensionsalter reden, muss dafür gesorgt werden, dass Menschen überhaupt bis zum bestehenden Pensionsalter einen Arbeitsplatz haben“, betont ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Deshalb legen ÖGB und AK ein konkretes Bonus-Malus-Modell zur Beschäftigung älterer Menschen vor.

Erhalte jede Woche alle wichtigen Infos rund um die Arbeitswelt!
Jetzt Newsletter abonnieren!

Zeit der Ausreden ist vorbei

„Nicht die Menschen müssen sich an einen Arbeitsmarkt anpassen, der sie mit 55 oder 60 aussortiert – die Unternehmen müssen endlich Verantwortung übernehmen. Wer sich dieser Verantwortung entzieht, muss künftig auch einen Beitrag leisten“, fasst Katzian zusammen. Sein Appell an die Politik: „Der konkrete Lösungsvorschlag von AK und ÖGB liegt auf dem Tisch. Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Es gilt jetzt, Verantwortung zu übernehmen.“

So funktioniert das Bonus-Malus-System

Für wen gilt es?

Für Betriebe ab 20 Beschäftigten.

Wie funktioniert es?

Unternehmen, die Menschen ab 50 systematisch ausschließen oder früh aus dem Job drängen, sollen bezahlen. Betriebe, die ältere Arbeitnehmer:innen einstellen und halten, sollen davon profitieren.

Welche Unternehmen wären vom Bonus-Malus-System betroffen?

Das hängt von der Branche ab. Sogenannte Zielvorgaben berücksichtigen die jeweiligen Arbeitsbedingungen und Beschäftigungspotenziale.

Wie viel muss bezahlt werden, wenn die Quote nicht erreicht wird?

Unternehmen müssen für jeden fehlenden Arbeitsplatz eine Ausgleichszahlung in Höhe von 15 Prozent des durchschnittlichen Jahreslohns in ihrem Betrieb leisten.

Wie viele Unternehmen wären betroffen?

  • 8.909 Betriebe übererfüllen demnach die Quote, würden also vom Bonus profitieren.
  • 9.760 Betriebe verfehlen die Quote, müssten also in den Malus-Topf einzahlen.
  • Insgesamt fehlen derzeit 36.087 Arbeitsplätze für ältere Beschäftigte.

Welche Summe könnte das Bonus-Malus-System bringen?

Eine Modellrechnung auf Basis der aktuellen Arbeitsmarktdaten bestätigt das Potenzial Das rechnerische Malus-Aufkommen beträgt demnach 266,4 Millionen Euro.

Was soll mit diesen Einnahmen passieren?

Jeweils 50 Prozent, also 133 Millionen Euro, fließen in einen Bonus-Topf für vorbildliche Betriebe, beziehungsweise zweckgebunden in die aktive Arbeitsmarktpolitik des AMS. Damit sollen insbesondere Beschäftigungsprojekte und die Wiedereingliederung älterer Arbeitsloser finanziert werden.

Wann startet das System?

Der Start ist für 2027 vorgesehen, die erste Kontrolle soll 2028 erfolgen.