Gute Arbeit statt Billigstbieter
Warum öffentliche Aufträge fair vergeben werden müssen
Eine Schule wird gebaut. Ein Krankenhaus gereinigt. Eine Gemeinde kauft neue Fahrzeuge. Bezahlt wird das alles mit unserem Steuergeld. Doch wer profitiert davon am Ende? Der billigste Anbieter oder jener Betrieb, der faire Löhne und Gehälter zahlt, Lehrlinge ausbildet und Verantwortung übernimmt?
Genau darum geht es beim neuen Vergaberecht. Seit März gelten in Österreich neue Regeln für öffentliche Aufträge. Gemeinden, Länder und Bund sollen künftig soziale und ökologische Kriterien stärker berücksichtigen – und nicht nur den Preis. Das eröffnet große Chancen: für Beschäftigte aller Branchen, für regionale Betriebe und für den Wirtschaftsstandort Österreich.
Billig kann teuer werden
Lange Zeit zählte bei öffentlichen Aufträgen oft vor allem eines: der niedrigste Preis. Doch genau das brachte Probleme mit sich – besonders am Bau. Große Projekte landeten häufig bei undurchsichtigen Firmenkonstruktionen mit langen Subunternehmer-Ketten. Am Ende arbeitete auf manchen Baustellen niemand mehr direkt für jene Firma, die den Auftrag ursprünglich bekommen hatte.
Die Folgen bekamen oft die Beschäftigten zu spüren: Lohn- und Sozialdumping, unbezahlte Überstunden, schlechte Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig gerieten regionale Betriebe unter Druck, weil sie mit diesen niedrigen Preisen kaum mithalten konnten.
Klar ist: Wenn nur der niedrigste Preis zählt, zahlen am Ende oft die Beschäftigten die Rechnung.
Bessere Chancen für faire Betriebe
Mit der Vergaberechts-Novelle wird das sogenannte Bestbieterprinzip gestärkt. Das bedeutet: Nicht mehr nur der Preis entscheidet, sondern auch Qualität, faire Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit. Unternehmen, die nach Kollektivvertrag bezahlen, Lehrlinge ausbilden und gute Arbeitsbedingungen bieten, haben künftig deutlich bessere Chancen auf öffentliche Aufträge.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Große Aufträge können häufiger in kleinere Aufträge aufgeteilt werden. Dadurch können auch regionale Klein- und Mittelbetriebe endlich wieder mitbieten. Das stärkt die Wirtschaft vor Ort und sichert Arbeitsplätze in den Regionen.
Neuer Leitfaden als Werkzeug
„Vergaberecht ist ein Belohnungstool“, bringt es Vergabeexperte Martin Schiefer auf den Punkt: „Wer sauber arbeitet und regionale Verantwortung übernimmt, muss am Ende auch den Zuschlag bekommen.“
Wie das konkret umgesetzt werden kann, zeigt die Gewerkschaft Bau-Holz mit ihrem Leitfaden „Rot-weiß-rote Vergaben“. Er erklärt praxisnah, wie soziale und ökologische Kriterien rechtssicher in Ausschreibungen integriert werden können.
Das Besondere: Was hier für die Baubranche vorgelegt wurde, lässt sich ganz einfach auch auf viele andere Branchen übertragen – von der Baubranche über Dienstleistungen bis hin zur Pflege und IT.
Wer sauber arbeitet und Verantwortung übernimmt, muss auch den Zuschlag bekommen.
Steuergeld soll allen nützen
Fest steht: Es geht um unser gemeinsames Geld. Wenn der Staat baut, einkauft oder Dienstleistungen vergibt, darf dieses Geld nicht in fragwürdige Geschäftsmodelle fließen. Stattdessen müssen jene Unternehmen profitieren, die Verantwortung übernehmen – für ihre Beschäftigten, für faire Arbeitsbedingungen und für die Regionen.
Kurz gesagt: Öffentliche Aufträge müssen gute Arbeit sichern.
Zum Leitfaden: gbh-news.at/leifaden