“ArbeitnehmerInnen kann vertraut werden”, sagt Arbeitsrechtsprofessor Martin Risak
Rechte und Pflichten am Arbeitsplatz

Experte bestätigt: Im Home Office wird mehr gearbeitet als im Büro

“ArbeitnehmerInnen kann vertraut werden”, sagt Arbeitsrechtsprofessor Martin Risak, Uni Wien

Eine der ersten Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung des Corona-Virus war der Aufruf, dass alle ArbeitnehmerInnen wenn möglich im Home Office arbeiten sollen. Die Skepsis mancher Arbeitgeber, dass ArbeitnehmerInnen zuhause weniger oder gar nicht arbeiten würden, dürfte sich in den vergangenen Wochen in Luft aufgelöst haben.

Martin Risak, Professor für Arbeitsrecht an der Uni Wien, ist nicht nur gerade selbst im Home Office, sondern hat auch Studien dazu durchgeführt. Deshalb weiß er: Im Home Office wird mehr gearbeitet als im Büro.

Zuhause verdammt, effektiv zu arbeiten

„Wenn ich im Büro acht Stunden absitze und nicht sehr produktiv war, sieht meine Arbeitgeberin dennoch, dass ich da war und meine Zeit für sie verwendet habe“, so Risak. Dieser „Beweis“ fällt beim Arbeiten zuhause weg. Wenn man zuhause acht Stunden arbeitet, aber am nächsten Tag nichts abliefert, dann würde sich die Arbeitgeberin wahrscheinlich fragen, was man den ganzen Tag getan habe.

„Wenn ich unproduktive Tage habe, dann arbeite ich die sonst ein“, erklärt Risak. „Das heißt, zuhause ist man schon fast verdammt, effektiv und effizient zu arbeiten, weil man danach etwas vorweisen muss, weil der Arbeitgeber den Arbeitsprozess ja nicht gesehen hat.“

Man kann ArbeitnehmerInnen meistens vertrauen.

Martin Risak, Arbeitsrechtsprofessor Uni Wien

Risak ist davon überzeugt, dass Home Office in Zukunft vermehrt genutzt werden wird. Vor allem in Kombination mit Großraumbüros oder Open Space Büros, wo niemand mehr einen eigenen Schreibtisch hat. „Da wird Home Office ein bis zwei Tage in der Woche genützt, um an einem Stück ohne große Unterbrechungen Dinge abzuarbeiten. Und dann, wenn man wieder Interaktion oder sich austauschen will, geht man wieder ins Büro.“

Martin Risak, Arbeitsrechtsexperte und Professor an der Uni Wien im Ö3-Wecker am 31. März 2020

Gerade jetzt, durch die Corona-Krise, erkennen viele, dass mehr geht, als man sich gedacht hatte. „Arbeitgeberinnen und Vorgesetzte merken, dass Leute, auch wenn sie zuhause sind und sie sie nicht sehen, trotzdem arbeiten. Also man kann ArbeitnehmerInnen meistens vertrauen“, betont der Arbeitsrechtsexperte.

Zu beachten gibt es im Home Office auch einige arbeitsrechtliche Vorschriften. Home Office oder Telearbeit kann in Österreich nicht einfach einseitig angeordnet werden. Die Arbeit im Home Office muss zwischen Arbeitgeber und ArbeitnehmerIn geregelt werden. Einen Rechtsanspruch auf Home Office gibt es in Österreich für ArbeitnehmerInnen nicht.