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Stirbt ein nahestehender Mensch, können Beschäftigte für das Begräbnis bezahlt freibekommen. Janina_PLD – stock.adobe.com

Sonderurlaub bei Todesfall: Wann bekomme ich bezahlt frei?

Stirbt ein nahestehender Mensch, können Beschäftigte für das Begräbnis bezahlt freibekommen. Dabei zählt nicht nur der Verwandtschaftsgrad. Welche Rechte du hast und was dein Kollektivvertrag regelt

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einem Todesfall oder Begräbnis kann Anspruch auf bezahlte Dienstverhinderung bestehen.
  • Auch eine enge persönliche Beziehung außerhalb der Familie kann entscheidend sein.
  • Wie lange du bezahlt fehlen darfst, hängt vom notwendigen Zeitaufwand und deinem Kollektivvertrag ab.
  • Liegt ein gesetzlicher Dienstverhinderungsgrund vor, musst du dafür keinen Urlaub verbrauchen.
  • Informiere den Arbeitgeber so früh wie möglich; bei Fragen helfen Betriebsrat und Gewerkschaft.

Habe ich bei einem Todesfall Anspruch auf Sonderurlaub

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Der häufig verwendete Begriff „Sonderurlaub“ meint hier eine bezahlte Dienstverhinderung aus wichtigen persönlichen Gründen. Wer ohne eigenes Verschulden wegen eines wichtigen persönlichen Grundes während einer kurzen Zeit nicht arbeiten kann, behält grundsätzlich den Anspruch auf Entgelt.

Für Angestellte ist das in § 8 Abs. 3 Angestelltengesetz geregelt, für Arbeiter:innen in § 1154b Abs. 5 ABGB.

„Wer einen Menschen verliert, sollte sich nicht auch noch Sorgen machen müssen, ob die notwendige Zeit für den Abschied vom Urlaub abgezogen wird. Vielen Beschäftigten ist gar nicht bewusst, dass ein Begräbnis ein anerkannter Grund für eine bezahlte Dienstverhinderung sein kann“, sagt ÖGB-Arbeitsrechtsexpertin Verena Weilharter.

Für welche Angehörigen bekomme ich bei einem Begräbnis frei?

Bei Todesfällen und Begräbnissen naher Angehöriger ist eine bezahlte Dienstverhinderung grundsätzlich anerkannt. Dazu zählen insbesondere Ehepartner:innen, Kinder und Eltern. Auch bei weiteren familiären Beziehungen – etwa zu Großeltern, Geschwistern, Schwiegereltern oder Lebensgefährt:innen – kann ein entsprechender Anspruch bestehen. Welche Freistellung konkret zusteht, hängt von den Umständen und den kollektivvertraglichen Regelungen ab.

Bekomme ich auch für das Begräbnis von Freund:innen frei?

Das kann möglich sein. Nicht ausschließlich der formelle Verwandtschaftsgrad ist entscheidend: Auch das tatsächliche menschliche und soziale Naheverhältnis zur verstorbenen Person kann eine Rolle spielen. Ob die Teilnahme an einem Begräbnis einen wichtigen persönlichen Dienstverhinderungsgrund darstellt, ist im Einzelfall zu beurteilen.

„Trauer hält sich nicht an einen Stammbaum. Auch Menschen, die rechtlich nicht zur engsten Familie gehören, können für uns zu den wichtigsten Personen im Leben zählen. Deshalb kommt es arbeitsrechtlich nicht immer nur auf den formellen Verwandtschaftsgrad an, sondern auch auf das tatsächliche Naheverhältnis“, erklärt Weilharter.

Wie viele Tage stehen mir bei einem Todesfall zu?

Eine für alle Beschäftigten einheitliche Zahl an freien Tagen gibt es nicht. Das Gesetz spricht von einer „verhältnismäßig kurzen Zeit“. Maßgeblich ist die tatsächlich erforderliche Zeit für das Begräbnis, dazu können notwendige Wegzeiten gehören.

Kollektivverträge sehen für bestimmte familiäre Todesfälle häufig konkrete Freistellungen vor. Sie können den gesetzlichen Anspruch näher regeln und günstigere Bestimmungen enthalten. Gesetzliche Ansprüche bleiben daneben im Einzelfall maßgeblich.

Was muss ich dem Arbeitgeber mitteilen?

Melde die Verhinderung möglichst früh und teile den Grund sowie die voraussichtliche Dauer der Abwesenheit mit. Der Arbeitgeber kann gegebenenfalls einen geeigneten Nachweis verlangen. Bei Unsicherheit oder Streit über die Freistellung helfen Betriebsrat oder Gewerkschaft weiter.

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Trauer braucht auch am Arbeitsplatz Raum

Mit einem Begräbnis endet Trauer nicht. Betriebe können Betroffene unterstützen, indem sie Rücksicht nehmen, Gesprächsmöglichkeiten anbieten und mit dem Betriebsrat den Umgang mit Todesfällen regeln.

„Trauer ist keine Schwäche und lässt sich nicht auf die Freizeit verschieben. Beschäftigte brauchen in einer solchen Situation Verständnis, Zeit und einen respektvollen Umgang. Gute Arbeitsbedingungen zeigen sich gerade dann, wenn Menschen eine schwere Zeit durchmachen“, betont Weilharter.

Mehr dazu: Tod und Trauer am Arbeitsplatz – wie Betriebe und Betriebsräte helfen können.

Häufige Fragen zu Sonderurlaub bei Todesfällen

Muss ich für ein Begräbnis Urlaub nehmen?

Nein, wenn ein Anspruch auf bezahlte Dienstverhinderung besteht, bleibt dein Erholungsurlaub unangetastet.

Bekomme ich frei, wenn meine Großmutter oder mein Großvater stirbt?

Das kann der Fall sein. Maßgeblich sind der konkrete Anlass, die notwendigen Zeiten und gegebenenfalls der Kollektivvertrag.

Gilt bezahlte Freistellung auch für ein Begräbnis im Ausland?

Das ist nicht ausgeschlossen. Der Anspruch hängt vom Einzelfall und den notwendigen Zeiten ab; nicht jede längere Reise ist automatisch vollständig bezahlt freizugeben.

Bekomme ich für das Begräbnis von Kolleg:innen frei?

Eine enge persönliche Beziehung kann relevant sein. Einen generellen Freistellungsanspruch für jedes Begräbnis von Kolleg:innen gibt es nicht.

Darf mein Arbeitgeber die Freistellung verweigern?

Ob tatsächlich ein Dienstverhinderungsgrund vorliegt, ist nach einer Interessenabwägung zu beurteilen: Es sind die Interessen des Arbeitgebers an der Arbeitsleistung mit den Interessen des Arbeitnehmers an der Teilnahme am Begräbnis abzuwägen. Es ist also – wie so oft – eine Einzelfallfrage.

Bei Streit über die Voraussetzungen solltest du dich beraten lassen.

Was gilt, wenn ich nach dem Todesfall nicht arbeitsfähig bin?

Eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit ist von der Dienstverhinderung wegen des Begräbnisses zu unterscheiden. Ob ein Krankenstand vorliegt, ist medizinisch zu beurteilen.

FAQ-Fachcheck: Auslandsbegräbnis, Kolleg:innen, Großeltern, Krankenstand und Ablehnung durch Arbeitgeber.

Rechtsgrundlagen und Informationen