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Gewalt gegen Frauen

Gewalt beginnt bei der Sprache

Ob zu Hause oder am Arbeitsplatz: Gewalt ist in verschiedensten Formen allgegenwärtig

„Was ist da schon dabei?“, „Das hat doch jeder schon mal erfahren“ oder „Das ist ja nicht ernst gemeint.“  So oder so ähnlich werden sprachliche Entgleisungen, wie anzügliche Witze, Hänseleien und Beschimpfungen, gerne gerechtfertigt oder toleriert. Fakt ist aber, dass es sich dabei um verbale Gewalt handelt.  

Eine IFES-Umfrage im Auftrag der Gewerkschaft vida aus dem Jahr 2019 ergab, dass im Dienstleistungssektor rund die Hälfte der Beschäftigten verbale Gewalt nicht unbedingt als Gewalt empfinden. Gleichzeitig waren 57 Prozent der Befragten selbst schon von Einschüchterungen betroffen und 49 Prozent von Beschimpfungen und Beleidigungen. Das große Problem mit der verbalen Gewalt ist, dass sie allgegenwärtig ist, aber nicht als Gewalt wahrgenommen wird. Dabei können die Folgen daraus, egal ob sie zu Hause oder am Arbeitsplatz passiert, verheerend sein. 

Verbale Gewalt  

Beleidigungen, herablassende Witze oder Verspottungen zielen darauf ab, andere Menschen zu demütigen und das eigene Ego zu erhöhen. Dies muss nicht einmal in einem aggressiven Ton passieren. Für das Gegenüber sind sie aber verletzend. Passieren sie häufiger, greifen sie auf lange Sicht das Selbstwertgefühl des betroffenen Menschen an. Da diese Äußerungen nicht so offenkundig sind wie blaue Flecken oder Schnittwunden werden sie auch seltener als Gewalt erkannt. Die Folgen sind aber weitreichend. Verbale Gewalt kann zu Schlafstörungen, Panikattacken oder psychosomatischen Erkrankungen führen - und nicht selten vermischt sie sich mit psychischer Gewalt. 

Psychische Gewalt 

Auch psychische Gewalt ist schwer zu identifizieren. Dabei geht es um Drohungen, Verbote, Kontrolle, Isolation, Demütigungen oder Stalking. Sie führt zu einem systematischen Quälen der Psyche, die die Herabwürdigung und Selbstaufgabe des Opfers zum Ziel hat. Im Arbeitskontext tritt sie oft als Mobbing auf. 

Häufig kommt es zu einer Täter-Opfer-Umkehr. Das bedeutet, dass der Täter dem Opfer vorwirft, sich schlecht zu verhalten und er selbst daher das Opfer sei. Diese Argumentation verunsichert das Opfer noch mehr. Im privaten Bereich werden konstante Erniedrigungen dieser Art von Betroffenen selbst sehr oft mit normalen Beziehungsstreitigkeiten verwechselt. 

Außenstehende wundern sich nach Bekanntwerden solche Fälle oft, warum sich Frauen nicht aus solchen Beziehungen lösen können. Es sind aber gerade diese psychologischen Tricks des Täters, die das Opfer verwirren und eine Einordnung und ein Erkennen der Gefahr verunmöglichen. Kommen ökonomische Abhängigkeiten hinzu, weil etwa eine Frau kein eigenes oder nur geringes Einkommen hat, ist es für sie noch schwieriger, sich aus der Beziehung zu lösen.  

Körperliche Gewalt  

Körperliche Gewalt ist die offenkundigste Form von Gewalt. Dazu zählen schlagen, stoßen, treten, würgen und an den Haaren packen, genauso wie der Gebrauch von Schuss- oder Stichwaffen, sexuelle Übergriffe und die Vernachlässigung von Kindern und pflegebedürftigen Personen

Im privaten Bereich steht körperliche Gewalt selten am Beginn einer Beziehung, sondern entwickelt sich allmählich aus einer Gewaltspirale heraus. Zunächst nehmen untergriffige Äußerungen zu, es kommt zu weiteren Erniedrigungen. Der Täter versucht das Opfer auf sämtlichen Ebenen zu kontrollieren, während dieses stärker und stärker verunsichert wird. Das irrationale Verhalten steigert sich und damit auch körperliche Übergriffe. Die extremste und tragischste Form körperlicher Gewalt ist schließlich der Mord. In Beziehungen sind fast ausschließlich Frauen Opfer von körperlicher Gewalt.  

Dass dies eine ganz reale Gefahr ist, beweisen die derzeit bekannten Zahlen von 29 Morden und 51 Fällen von Mordversuchen bzw. schwerer Gewalt an Frauen in Österreich allein in diesem Jahr. Die Tatsache, dass es so viele Frauenmorde in Österreich gibt, beweist auch, dass zu viele Männer glauben, dass sie bei diesen Grausamkeiten im Recht sind. 

Strukturelle Gewalt 

Begünstigt ein gesellschaftliches Umfeld die Sichtweise, dass tätliche Übergriffe gegenüber Frauen normal oder tolerierbar wären, ist auch strukturelle Gewalt im Spiel. Sie beschreibt ungleiche Machtverhältnisse und Lebenschancen und drückt sich in Rollenzuschreibungen, Diskriminierungen und eingeschränkten Entwicklungschancen aus.  

Um diese Machtverhältnisse zu überwinden, braucht es ein bewusstes Aufbrechen von diskriminierenden und unterdrückerischen Strukturen. Dies kann über Gesetzesänderungen passieren, aber auch über das Lernen neuer Rollenbilder. Der klassische „starke Mann“ ist dann nicht brutal, sondern hat eine gefestigte Persönlichkeit und kann zu seinen Fehlern stehen, ohne jemand anderen dabei angreifen zu müssen. Auf der anderen Seite steht eine starke Frau, die gleiche Entwicklungsmöglichkeiten einfordert und diese auch lebt.  

So setzt sich der ÖGB gegen Gewalt und für mehr Chancengleichheit ein:

Seminare und Beratung zu Gewaltprävention und Mobbing am Arbeitsplatz sowie Anti-Diskriminierung des Chancen Nutzen Büros im ÖGB

Die ÖGB-Frauen setzen sich sei bei der Kinderbetreuung oder beim Einkommen für mehr Chancengerechtigkeit ein 

Kampagne der Gewerkschaft vida „Tatort Arbeitsplatz“

Broschüre „Gleichbehandlung. Rechtsinfos der ÖGB-Frauen

Broschüre „Für Arbeit ohne Unterschiede. Was Diskriminierung ist, welche Formen sie annimmt und was dagegen getan werden kann – ein Leitfaden.