Lehre und Ausbildung

Jugendarbeitslosigkeit droht zu explodieren

Im Herbst werden 7.500 Lehrstellen fehlen – die Regierung muss jetzt gegensteuern

Jugendliche sind von Wirtschaftskrisen als erste und besonders stark betroffen. Das zeigen auch die Daten von der Finanzkrise 2008, sagt Johann Bacher von der Johannes Keppler Universität (JKU) Linz im Ö1 Morgenjournal am 7. Mai.

Während der Anstieg der Gesamtbevölkerung bei einem Prozent lag, ist die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen um 1,8 Prozent gestiegen. Hochgerechnet auf die Coronakrise ergibt das eine alarmierende Zahl für 2020: „Vor der Krise hatten wir 44.000 arbeitslose Jugendliche. Unsere Prognose führt zu dem Ergebnis, dass diese Zahl auf 80.000 ansteigen wird – sich also fast verdoppelt“, so Bacher. 

Drei Hauptprobleme für höhere Jugendarbeitslosigkeit 

Jugendliche werden schneller gekündigt, finden aber nachher schwerer einen Job. Außerdem werde beim Wiederaufbau der Wirtschaft die Stammbelegschaft bevorzugt – Lehrstellen fallen dann weg oder werden nicht geschaffen.

7.500 Lehrstellen werden im Herbst fehlen.

Hinzu kommt, dass ein besonders großer Lehrstellenmarkt mit dem Tourismus wegbrechen wird, weil dieser von der Krise stark betroffen ist. Bachner geht davon aus, dass 7.500 Lehrstellen im Herbst fehlen werden, wenn die neuen Jugendlichen auf den Lehrstellenmarkt drängen. Deshalb appelliert der Soziologie-Professor an die Bundesregierung, hier gegenzusteuern. 

Gewerkschaftsjugend fordert Maßnahmenpakt gegen Jugendarbeitslosigkeit 

Auch die Gewerkschaftsjugend hat bereits vor einer „Generation Corona“ gewarnt und daher ein Maßnahmenpaket gegen die bevorstehende Ausbildungskatastrophe gefordert. Susanne Hofer, Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), warnt vor einer Verschärfung des Fachkräftemangels, wenn Jugendliche jetzt nicht in die Berufsausbildung könnten und in drei Jahren am Arbeitsmarkt fehlten.  

Jugendliche werden schneller gekündigt, finden aber nachher schwerer einen Job.

Um das zu verhindern, brauche es im Rahmen des geforderten Maßnahmenpakets etwa einen "Corona-Not-Ausbildungsfonds", dotiert mit 140 Millionen Euro, zur Unterstützung von Betrieben, die trotz Corona-bedingter wirtschaftlicher Schwierigkeiten Lehrlinge ausbilden. Zudem sollen Ausbildungsplätze im staatlichen und staatsnahen Bereich aufgestockt und die Finanzmittel für die überbetriebliche Lehrausbildung ebenso wie die Lehrplätze erhöht werden. 

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