Klima und Arbeit
Die Klimakrise verändert die Arbeitswelt
Hitze, neue Jobs und fairer Wandel: Warum Klimaschutz längst zur Arbeitsfrage geworden ist
Das Wichtigste in Kürze
- Hitze wird für viele Beschäftigte zum Problem
- Beim Hitzeschutz im Freien und in Innenräumen braucht es noch Verbesserungen
- Die Klimakrise verändert Berufe und Arbeitsplätze
- Der Wandel in der Arbeitswelt muss fair und sozial gerecht sein
Dieser Sommer hat die Folgen der Klimakrise für viele Menschen deutlich spürbar gemacht. Die Klimakrise ist längst kein Randthema mehr. Sie beeinflusst unseren Alltag und vor allem die Arbeitswelt.
Dabei geht es nicht nur um immer häufigere Hitzewellen. Auch Unwetter, neue gesetzliche Vorgaben und der Umstieg auf klimafreundliche Technologien verändern Betriebe und Arbeitsplätze. Die Arbeitswelt befindet sich mitten im Wandel: Neue Berufe entstehen, andere verändern sich stark oder geraten unter Druck.
Für den ÖGB ist klar: Dieser Wandel muss sozial gerecht gestaltet werden und Beschäftigte müssen von der Transformation profitieren können. Dazu muss die Politik den entsprechenden Rahmen schaffen.
Hitze wird zum Problem am Arbeitsplatz
Die ÖGB-Hitzeumfrage unter fast 4.000 Beschäftigten zeigt, wie stark die Belastung bereits ist: Rund zwei Drittel der Befragten sind täglich oder häufig von Hitze betroffen. Die Folgen reichen von Schwindel und Konzentrationsproblemen bis hin zu Dehydrierung und Hitzekrämpfen.
Wie sich Hitze auswirkt, hängt auch von der Branche ab. Das zeigt eine Umfrage der Gewerkschaft GPA unter 500 Betriebsrät:innen. Im Handel werden vermehrt Kreislaufprobleme und eine höhere Unfallgefahr beobachtet. Im Gesundheits- und Sozialbereich kämpfen Beschäftigte nicht nur mit der eigenen Belastung, sondern auch mit gereizteren und aggressiveren Klient:innen. In Industriebetrieben sinkt die Produktivität, während das Unfallrisiko steigt.
Mehr Schutz bei Arbeiten im Freien
Um Beschäftigte besser zu schützen, wurde im vergangenen Jahr eine neue Hitzeschutzverordnung eingeführt. Sie enthält erstmals verbindliche Regeln für Arbeiten im Freien und reagiert damit auf die steigenden Temperaturen durch die Klimakrise.
Gibt die GeoSphere Austria eine Hitzewarnung der Stufe 2 aus, müssen Betriebe Schutzmaßnahmen ergreifen. Dazu zählen beispielsweise Beschattungen oder die Anpassungen der Arbeitszeiten.
Das Arbeitsinspektorat hat heuer mehr als 3.000 Kontrollen durchgeführt. Bei rund 36 Prozent wurden Mängel festgestellt, die behoben werden mussten. Das zeigt: Beim Hitzeschutz gibt es noch Verbesserungsbedarf.
Besserer Hitzeschutz in Innenräumen ist notwendig
Die ÖGB-Hitzeumfrage zeigt auch, dass Arbeiten in Innenräumen manchmal genauso belastend sein können wie Arbeiten im Freien.
So gelten etwa Tätigkeiten in Gewächshäusern, Aufzugsschächten oder Großküchen als Innenraumarbeit. Dort können Temperaturen von bis zu 50 Grad erreicht werden.
Der ÖGB fordert deshalb eine Überarbeitung der Arbeitsstättenverordnung. Derzeit bleibt vieles dem Ermessen der Arbeitgeber überlassen. Wie ernst die Fürsorgepflicht genommen wird, ist von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich.
Einige Beschäftigte berichten von guten Lösungen: „Bei uns können die Arbeitszeiten angepasst werden. Früher arbeiten zu dürfen, ist eine wesentliche Entlastung.“
Andere erleben das Gegenteil: „Ich bin im Handel und bei uns gibt es im Winter keine Heizung, weil es zu teuer ist, und im Sommer keine Klimaanlage, weil es wieder zu teuer ist.“ Eine weitere Teilnehmerin sagt: „In unserem Betrieb ist das ein sehr sensibles Thema. Wenn wir die Temperaturen ansprechen, kommt oft wenig Verständnis.“
Für Dinah Djalinous-Glatz, Expertin für Arbeitnehmer:innenschutz im ÖGB, bringen klare Regeln Verbesserungen für die Arbeitnehmer:innen: „Verbindlichere Bestimmungen beim Arbeitnehmer:innenschutz in Innenräumen schützt die Gesundheit der Beschäftigten besser. “
Wenn die Klimakrise auch Arbeitsplätze verändert
Die Klimakrise verändert nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch ganze Branchen. Unternehmen müssen ihre Produktion, Energieversorgung und Mobilität klimafreundlicher gestalten. Dadurch entstehen neue Jobs, während andere Tätigkeiten wegfallen oder sich stark verändern.
Damit Beschäftigte nicht zu den Verlierer:innen dieses Wandels werden, haben Gewerkschaften das Konzept der Just Transition entwickelt. Der Begriff bedeutet „gerechter Übergang“. Das Ziel: Der Umbau zu einer klimafreundlichen Wirtschaft soll mit sozialer Sicherheit, guten Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung verbunden werden.
Martin Reiter, Leiter des ÖGB-Klimabüros, betont: „Klimaschutz kann Chancen für Beschäftigte schaffen, wenn der Wandel fair gestaltet wird.“
Dazu gehören Qualifizierungsangebote für neue Tätigkeiten, soziale Absicherung bei Veränderungen und die aktive Einbindung von Beschäftigten und Betriebsrät:innen.
Green Jobs: Neue Chancen, neue Herausforderungen
Der ökologische Umbau der Wirtschaft schafft neue Arbeitsplätze, sogenannte Green Jobs. Dazu zählen klassische Berufe wie Elektriker:innen oder Bautechniker:innen ebenso wie neuere Tätigkeiten, etwa Energieberater:innen oder Wasserstoff-Techniker:innen.
Doch auch Green Jobs sind nicht automatisch gesunde oder sichere Arbeitsplätze. Beschäftigte können dort mit Gefahrstoffen, Staub, Lärm oder Explosionsrisiken konfrontiert sein.
Deshalb rückt die Arbeitsinspektion den Arbeitsschutz in Green Jobs stärker in den Fokus. Auch die Gewerkschaften setzen sich dafür ein, die Arbeitsbedingungen in diesen Bereichen zu verbessern und entsprechende Regelungen in Kollektivverträgen zu verankern.
Für Martin Reiter steht fest: „Grüne Jobs müssen auch gute Jobs sein und gute Arbeitsbedingungen gewährleisten. Klimaschutz und Arbeitsschutz müssen daher gemeinsam gedacht werden.“
Der ÖGB fordert:
- Nachbesserungen bei der Hitzeschutzverordnung
- Effektiveren Schutz in Innenräumen
- Sichere und faire Arbeitsbedingungen in Green Jobs
- Mitbestimmung beim ökologischen Umbau in der Arbeitswelt