Hitze am Arbeitsplatz: Mehr als 70 Prozent berichten von mindestens 28 Grad
Die ÖGB-Hitzeumfrage 2026 unter 3.978 Beschäftigten zeigt hohe Temperaturen, gesundheitliche Folgen und Lücken beim Hitzeschutz
Das Wichtigste in Kürze
- 70 Prozent der Befragten arbeiten bei Temperaturen von über 28 Grad
- 12 Prozent arbeiten sogar bei über 36 Grad
- Fast 90 Prozent berichten von gesundheitlichen Beschwerden durch Hitze
- Nur 26 Prozent der Betriebsräte werden beim Hitzeschutz eingebunden
- Viele Beschäftigte wünschen sich mehr Kühlung, angepasste Arbeitszeiten und Hitzeschutzbeauftragte
Die aktuelle ÖGB-Hitzeumfrage zeigt, dass Hitze längst ein massives Problem in der Arbeitswelt ist. Sieben von zehn Befragten gaben an, bei Temperaturen über 28 Grad zu arbeiten, fast 90 Prozent berichten von gesundheitlichen Beschwerden. Die Ergebnisse machen deutlich, dass der Hitzeschutz in vielen Betrieben nicht mit der neuen „Hitze-Realität“ Schritt hält.
Hitze wird zur Belastungsprobe für Beschäftigte
Die Ergebnisse der aktuellen ÖGB-Hitzeumfrage zeigen klar: Hitze ist für viele Beschäftigte längst kein Ausnahmeproblem mehr. An der Umfrage nahmen zwischen Juni und Ende August 2026 insgesamt 3.978 Beschäftigte aus allen Branchen teil. Die Ergebnisse geben wichtige Einblicke in die Arbeitswelt während dieses Extremsommers.
Besonders alarmierend: 70 Prozent der Befragten arbeiten bei Temperaturen von 28 Grad oder mehr. 12 Prozent der befragten Personen sind sogar Temperaturen von über 36 Grad ausgesetzt.
Hitze in Innenräumen, im Freien und in Fahrzeugen
Oft wird angenommen, dass vor allem Arbeitende im Freien von Hitze betroffen sind. Die Umfrage zeigt jedoch ein anderes Bild.
73 Prozent der Befragten arbeiten überwiegend in Innenräumen. Trotzdem sind dort 65 Prozent mit Temperaturen von mindestens 28 Grad konfrontiert. Sieben Prozent müssen sogar bei mehr als 36 Grad arbeiten.
Besonders belastet sind Beschäftigte im Freien sowie in Fahrzeugen und Maschinen. 92 bis 97 Prozent der Befragten aus dieser Beschäftigtengruppe arbeiten bei Temperaturen über 28 Grad.
Hitze gefährdet Gesundheit und Leistungsfähigkeit
Die gesundheitlichen Folgen sind deutlich sichtbar: 89 Prozent nennen Konzentrationsschwierigkeiten, 88 Prozent Kopfschmerzen.
Häufig genannt werden außerdem erhöhte Reizbarkeit, Schlafprobleme und Schwindel.
Doch die Umfrage zeigt auch schwerwiegendere Folgen. Mehr als ein Drittel der Befragten berichtet von Übelkeit oder Dehydration. Rund 30 Prozent berichten von einem Kreislaufkollaps.
Die gesundheitlichen Folgen sind alarmierend und die Beschäftigten spüren sie täglich. 80 bis 90 Prozent der Teilnehmer:innen der Umfrage leiden unter Beschwerden durch die Hitze. Wer diese Zahlen noch immer als Phänomene eines Ausnahmesommers abtut, verschließt die Augen vor der Realität. Politik und Arbeitgeber dürfen diese Belastung nicht länger ignorieren.
Welche Hitzeschutzmaßnahmen in den Betrieben fehlen
Am häufigsten gibt es in den Betrieben natürliche Lüftung und kühle Getränke. Viele andere Maßnahmen fehlen jedoch.
65 Prozent wünschen sich eine Hitzeschutzbeauftragte oder einen Hitzeschutzbeauftragten. 57 Prozent fordern die stärkere Einbindung des Betriebsrats. Ebenfalls ganz oben auf der Wunschliste stehen Kühlung, Sonnenschutzfolien und angepasste Arbeitszeiten.
Besonders auffällig ist, dass nur 26 Prozent der Befragten angeben, dass der Betriebsrat beim Hitzeschutz eingebunden wird.
„Die Umfrage zeigt ein massives Hitzeschutz-Defizit in vielen Betrieben“, kritisiert Dinah Djalinous-Glatz, Expertin für Arbeitnehmer:innenschutz im ÖGB.
Stimmen aus der ÖGB-Hitzeumfrage
Viele Rückmeldungen aus der Umfrage zeigen, wie unterschiedlich Betriebe mit Hitze umgehen.
Während einige Beschäftigte von flexiblen Arbeitszeiten und Hitzeschutzkonzepten berichten, schildern andere massive Probleme.
„Man lässt uns auch bei 39 Grad ohne Pause weiterarbeiten.“
„Für das Büro der Chefs wurde ein Klimagerät angeschafft, die Mitarbeiter sind leer ausgegangen.“
„Ich wünsche mir zusätzliche Pausen, Jalousien und vor allem Empathie der Führungskräfte.“
Diese Aussagen zeigen, dass Hitzeschutz in vielen Betrieben noch immer vom guten Willen der Arbeitgeber abhängt.
Was der ÖGB beim Hitzeschutz fordert
Für den ÖGB zeigen die Ergebnisse einen klaren politischen Handlungsbedarf.
Die derzeitigen Regelungen stammen teilweise aus einer Zeit, in der es noch keine extremen Hitzesommer gab. Deshalb fordert der ÖGB eine rasche Anpassung der gesetzlichen Vorgaben.
„Die Bundesregierung hat eine Reform des Arbeitnehmer:innenschutzes unter dem Titel ‚Modernisierung des Arbeitnehmer:innenschutzes‘ ins Regierungsprogramm geschrieben. Die Beschäftigten können nicht noch einen Hitzesommer lang auf besseren Schutz warten. Bis zum nächsten Sommer braucht es wirksame Hitzeschutzregeln für Innenräume und Nachschärfungen bei den Schutzbestimmungen im Freien", fordert Dinah Djalinous-Glatz.
Der ÖGB fordert:
- eine rasche Nachschärfung der Hitzeschutzverordnung
- eine Überarbeitung der Arbeitsstättenverordnung für einen wirksameren Hitzeschutz in Innenräumen
Gemeinsam lassen sich bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen. Gerade beim Hitzeschutz zeigt sich, wie wichtig eine starke Interessenvertretung ist.
FAQ zur ÖGB-Hitzeumfrage 2026
Was die Ergebnisse für den Hitzeschutz bedeuten
Die ÖGB-Hitzeumfrage macht deutlich, dass Hitze längst zu einem zentralen Thema der Arbeitswelt geworden ist. Viele Beschäftigte arbeiten unter Bedingungen, die ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Betriebe als auch Politik beim Hitzeschutz rasch nachbessern müssen.
Was zeigt die ÖGB-Hitzeumfrage?
Die Umfrage zeigt, dass Hitze für viele Beschäftigte zum täglichen Problem geworden ist und zahlreiche gesundheitliche Folgen verursacht. Außerdem zeigt sie, welche Hitzeschutzmaßnahmen in den Betrieben umgesetzt werden und welche sich Beschäftigte noch wünschen.
Wer ist besonders betroffen?
Am stärksten betroffen sind Beschäftigte im Freien, in Fahrzeugen und Maschinen. Aber auch Beschäftigte in Innenräumen leiden häufig unter großer Hitze.
Welche gesundheitlichen Folgen treten auf?
Am häufigsten werden Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Schwindel und erhöhte Reizbarkeit genannt. Es wird aber auch über stärkere gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Übelkeit, Hitzekrämpfe oder Dehydration berichtet.
Was wünschen sich Beschäftigte?
Vor allem eine für den Hitzeschutz zuständige Person, eine stärkere Einbindung des Betriebsrats, Kühlung, angepasste Arbeitszeiten und Sonnenschutz.
Was fordert der ÖGB?
Der ÖGB fordert eine Nachschärfung bei der Hitzeschutzverordnung und einen wirksameren Hitzeschutz für Arbeiten in Innenräumen.