Österreich bei Vermögensungleichheit fast an der Spitze
Die reichsten fünf Prozent besitzen mehr als die Hälfte des Vermögens. Der ÖGB fordert mehr Fairness bei der Besteuerung
Das Wichtigste in Kürze
- Die reichsten 5 Prozent besitzen 53,5 Prozent des Nettovermögens in Österreich.
- Das Vermögen der reichsten fünf Prozent ist seit 2021 um 29,3 Prozent gestiegen.
- 94,5 Prozent des Unternehmensvermögens gehören dem reichsten Zehntel.
Österreich gehört bei der Vermögensungleichheit zu den Spitzenreitern in der EU. Die reichsten fünf Prozent der privaten Haushalte besitzen hierzulande 53,5 Prozent des gesamten Nettovermögens. Nur in Kroatien ist der Anteil mit 54,5 Prozent noch höher.
Das zeigen aktuelle Daten der Europäischen Zentralbank (EZB). Zum Vergleich: Im Durchschnitt der Eurozone besitzen die reichsten fünf Prozent 44,5 Prozent des Nettovermögens. „Fast nirgendwo ist Vermögen so ungleich verteilt, aber gleichzeitig wird Vermögen fast nirgendwo so wenig besteuert“, kritisiert ÖGB-Ökonomin und Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth.
Reiche werden deutlich reicher
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung seit der Teuerungskrise im Jahr 2021. Das Vermögen der reichsten fünf Prozent ist seither um 29,3 Prozent gewachsen. Im Durchschnitt verfügen diese Haushalte mittlerweile über ein Nettovermögen von rund 5,12 Millionen Euro.
Der Vermögenszuwachs der ärmeren Hälfte der Bevölkerung fällt dagegen deutlich geringer aus. Die unteren 50 Prozent besitzen Ende 2025 im Durchschnitt rund 35.700 Euro. Ihr Vermögen ist seit 2021 um 24,9 Prozent oder rund 7.100 Euro gestiegen.
Der Vermögenszuwachs der reichsten fünf Prozent ist in absoluten Zahlen 163-mal so hoch wie jener der ärmeren Hälfte.
„Angstsparen“ statt Vermögensaufbau
Bei der ärmeren Hälfte der Bevölkerung ist vor allem das Geld auf Sparbüchern und anderen Spareinlagen gewachsen. Ein Grund dafür ist laut Schuberth das sogenannte „Angstsparen“: Aus Sorge vor Inflation, Krisen und Arbeitslosigkeit wird mehr Geld zurückgelegt.
Gleichzeitig wird der Aufbau von Vermögen schwieriger. Besonders beim Immobilienbesitz zeigt sich das deutlich. Wegen hoher Preise und gestiegener Finanzierungskosten können sich immer weniger Haushalte eine kreditfinanzierte Wohnung oder ein Haus leisten.
Auch bei Immobilienkrediten gibt es einen Rückgang. Das wirkt sich zwar positiv auf das Nettovermögen aus, weil weniger Schulden vorhanden sind. Es bedeutet aber zugleich, dass für viele Haushalte der Zugang zu Eigentum schwieriger wird.
Vor allem Immobilien und Unternehmen
Woher kommt der starke Vermögenszuwachs der reichsten Haushalte? Eine wichtige Rolle spielen Immobilien und Unternehmensvermögen, insbesondere Beteiligungen an GmbHs.
Besonders ungleich ist das Unternehmensvermögen verteilt: 94,5 Prozent davon befinden sich im Besitz des reichsten Zehntels der Bevölkerung. Auch Aktien und Fonds haben zum Vermögenszuwachs beigetragen. Sie werden allerdings ebenfalls deutlich häufiger von den vermögendsten Haushalten gehalten.
Damit verstärkt sich ein Kreislauf: Wer bereits viel besitzt, kann leichter von steigenden Immobilienpreisen, Unternehmensgewinnen und Kapitalerträgen profitieren. Wer wenig besitzt, hat dagegen deutlich weniger Möglichkeiten, zusätzliches Vermögen aufzubauen.
ÖGB: Vermögen muss fairer besteuert werden
Für den ÖGB zeigen die Zahlen, dass die Frage der Vermögensverteilung nicht ignoriert werden darf. Österreich zählt gleichzeitig zu den Ländern mit besonders hoher Vermögenskonzentration und zu jenen mit einer vergleichsweise niedrigen Besteuerung von Vermögen.
Ein Grund dafür ist, dass es in Österreich derzeit keine allgemeine Vermögenssteuer und keine Erbschaftssteuer gibt. Große Vermögen werden damit vergleichsweise wenig zur Finanzierung des Gemeinwesens herangezogen.
„Wenn Vermögen immer stärker bei wenigen konzentriert ist, braucht es auch eine faire Beteiligung der sehr Vermögenden“, betont Schuberth.
Steuerfreie Aktien? ÖGB warnt vor mehr Ungleichheit
Auch die zuletzt diskutierte steuerfreie Aktienveranlagung zur privaten Pensionsvorsorge sieht der ÖGB kritisch. Aktien und Fonds befinden sich bereits heute überproportional häufig im Besitz der reichsten Haushalte.
Eine zusätzliche steuerliche Begünstigung könnte deshalb vor allem jenen zugutekommen, die bereits über ausreichend Geld verfügen, um in Wertpapiere zu investieren. Die Vermögenskonzentration könnte dadurch weiter zunehmen, warnt Schuberth.
Fazit: Vermögen gerechter verteilen
Die aktuellen EZB-Zahlen zeigen deutlich: Österreich gehört bei der Vermögensungleichheit zum Spitzenfeld. Während sich große Vermögen seit 2021 stark vermehrt haben, bleibt der Vermögensaufbau für die ärmere Hälfte schwierig. Für den ÖGB ist deshalb klar: Wer viel besitzt, muss auch einen fairen Beitrag für die Gesellschaft leisten.