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Rotes Herz mit der Aufschrift „GEWERKSCHAFT“ wird vor einer unscharfen Person im Anzug gehalten.
Gute Löhne, Arbeitszeiten, die Zeit für das Leben lassen und Rechte im Job, die im Ernstfall auch durchgesetzt werden können: All das entsteht nicht von allein. MQ-Illustrations – stock.adobe.com.

Mitgliedschaft

Das bringt eine Mitgliedschaft bei der Gewerkschaft!

Was bringt eine Mitgliedschaft bei der Gewerkschaft? Erfahre, wie der ÖGB bei Arbeitsproblemen hilft, Kollektivverträge stärkt und welche Leistungen Mitglieder erhalten

Das Wichtigste in Kürze

  • Deine zuständige Gewerkschaft berät dich bei Fragen und Konflikten im Arbeitsleben
  • Rechtsschutz und Vertretung sind Teil der Mitgliedschaft
  • Gewerkschaften verhandeln Kollektivverträge und damit wichtige Grundlagen für Lohn, Gehalt und Arbeitszeit
  • Der Mitgliedsbeitrag beträgt grundsätzlich höchstens ein Prozent des Einkommens und ist steuerlich absetzbar
  • Mit deiner Mitgliedschaft stärkst du die Verhandlungsposition aller Beschäftigten

Gute Löhne, Arbeitszeiten, die Zeit für das Leben lassen und Rechte im Job, die im Ernstfall auch durchgesetzt werden können: All das entsteht nicht von allein. Dafür braucht es Beschäftigte, die sich zusammenschließen, eine Gewerkschaft, die stark genug ist, um Arbeitgeber:innen und Politik auf Augenhöhe gegenüberzutreten.

Rund 1,2 Millionen Menschen sind in Österreich Mitglieder von sieben Gewerkschaften. Alle zusammen sind der Österreichische Gewerkschaftsbund.

Als Gewerkschaftsmitglied bekommst du Beratung und Rückhalt, wenn im Job etwas nicht stimmt. Gleichzeitig stärkst du die Organisation, die Kollektivverträge verhandelt, Betriebsrät:innen unterstützt und für bessere Arbeitsbedingungen kämpft. Je mehr Menschen Mitglied sind, desto größer ist diese gemeinsame Durchsetzungskraft. Und obendrauf gibt es jede Menge Preisvorteile und Rechtsschutz für Gewerkschaftsmitglieder.

ÖGB und Gewerkschaften einfach erklärt

Was ist der ÖGB?

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) ist die Dachorganisation von sieben Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten sie die Interessen von Arbeitnehmer:innen, aber auch Pensionist:innen, Arbeitslosen und Menschen in Ausbildung gegenüber Arbeitgebern, Politik und Öffentlichkeit.

Gewerkschaften sind freiwillige und überparteiliche Interessenvertretungen. Ihre Stärke hängt davon ab, wie viele Menschen sich organisieren und gemeinsame Forderungen unterstützen.

Bin ich Mitglied beim ÖGB oder bei einer einzelnen Gewerkschaft?

Wer dem ÖGB beitritt, wird Mitglied der Gewerkschaft, die für den jeweiligen Beruf oder die Branche zuständig ist. Der ÖGB bündelt die gemeinsamen Interessen der sieben Gewerkschaften. Im Alltag wird dafür häufig der Begriff „ÖGB-Mitgliedschaft“ verwendet.

Welche Gewerkschaft ist für mich zuständig?

Das richtet sich vor allem nach Branche, Beruf und Beschäftigungsform. Wer unsicher ist, muss das nicht selbst herausfinden: Der ÖGB ordnet Anfragen der richtigen Gewerkschaft zu.

Die sieben Gewerkschaften im ÖGB ansehen

Vorteile, Leistungen und Mitgliedsbeitrag

Welche Vorteile habe ich als Gewerkschaftsmitglied?

Der wichtigste Vorteil ist nicht ein Rabatt, sondern Rückhalt im Arbeitsleben. Mitglieder haben eine Anlaufstelle bei Fragen zu Gehalt und Einstufung, Arbeitszeit, Überstunden, Urlaub, Krankenstand, Karenz, Kündigung, Sozialversicherung oder Kollektivvertrag.

Darüber hinaus umfasst das ÖGB-Angebot unter anderem folgende Leistungen:

  • Arbeits- und sozialrechtliche Beratung
  • Rechtsschutz sowie gerichtliche und außergerichtliche Vertretung
  • Berufshaftpflicht- und Berufsrechtsschutzversicherung
  • Solidaritätsversicherung, etwa mit Leistungen bei Unfall, Invalidität oder Spitalsaufenthalt
  • Unterstützung bei Arbeitslosigkeit, Streik oder Aussperrung
  • Bildungsangebote, Broschüren und Informationen für das Arbeitsleben
  • Preisvorteile in unterschiedlichen Lebensbereichen

Welche Leistung tatsächlich zusteht, hängt von den geltenden Bestimmungen der zuständigen Gewerkschaft ab. Deshalb sollte ein konkreter Fall immer direkt geprüft werden.

Alle Vorteile und Leistungen des ÖGB

ÖGB-Sicherheitspaket und Mitgliederbroschüren

Aktuelle Preisvorteile für Mitglieder

Was kostet eine ÖGB-Mitgliedschaft?

Der Mitgliedsbeitrag beträgt grundsätzlich höchstens ein Prozent des Einkommens. Er kann in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden. Für Lehrlinge, Menschen in Karenz, Arbeitslose, Pensionist:innen oder andere Gruppen können eigene Beitragsregelungen gelten.

Mit dem Beitrag finanzieren Beschäftigte ihre unabhängige Interessenvertretung: Beratung, Rechtsschutz, Kollektivvertragsverhandlungen, Bildungsarbeit, Kampagnen und die Unterstützung betrieblicher Interessenvertretungen.

Beitrag, Leistungen und Mitgliedschaft ansehen

Bekomme ich Rechtsberatung und Rechtsschutz?

Ja. Mitglieder können sich in arbeits-, dienst- und sozialrechtlichen Fragen beraten lassen. Rechtsschutz kann auch die Vertretung vor Gerichten, Behörden oder Sozialversicherungsträgern sowie die Übernahme bestimmter Verfahrenskosten umfassen.

Für den Rechtsschutz gelten Voraussetzungen. Dazu können eine bestimmte Mitgliedsdauer, ausreichende Beitragsleistung, Fristen und die vorherige Genehmigung durch die Gewerkschaft gehören. Wer ein Problem hat, sollte daher rasch Kontakt aufnehmen und nichts vorschnell unterschreiben.

Rechtsschutz und Rechtsberatung für ÖGB-Mitglieder

Hilft die Gewerkschaft bei Problemen im Job?

Ja. Typische Fälle sind eine unklare Lohnabrechnung, eine falsche Einstufung, nicht bezahlte Überstunden, kurzfristig geänderte Dienstpläne, Probleme rund um Karenz oder Elternteilzeit, Diskriminierung, Mobbing oder eine bevorstehende Kündigung.

Oft lässt sich schon im ersten Gespräch klären, welche Rechte bestehen, welche Unterlagen gebraucht werden und welcher nächste Schritt sinnvoll ist. Im Arbeitsrecht laufen manche Fristen sehr kurz. Frühzeitige Beratung kann deshalb entscheidend sein.

Erfährt mein Arbeitgeber von meiner Mitgliedschaft?

Nein, Arbeitgeber werden von den Gewerkschaften nicht über eine Mitgliedschaft ihrer Beschäftigten informiert. Den Arbeitgebern ist es sogar verboten, Arbeitnehmer:innen nach einer Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft zu fragen. Sollte diese Frage trotzdem gestellt werden, müssen Arbeitnehmer:innen nicht oder nicht wahrheitsgemäß antworten.

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Kollektivvertrag, Gehalt und Mitbestimmung

Wer verhandelt meinen Kollektivvertrag?

Kollektivverträge werden von den zuständigen Gewerkschaften mit den Arbeitgebervertretungen verhandelt. In Österreich gibt es keine allgemeine gesetzliche Regel, nach der alle Löhne und Gehälter jedes Jahr automatisch steigen.

Kollektivverträge regeln unter anderem Mindestlöhne und Mindestgehälter, Zulagen, Zuschläge, Arbeitszeiten, Vorrückungen sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Häufig enthalten sie bessere Regelungen als das Gesetz.

Alles, was du über deinen Kollektivvertrag wissen musst

Warum sind Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld nicht selbstverständlich?

Ein allgemeiner gesetzlicher Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld besteht nicht für alle Beschäftigten. In vielen Branchen entsteht dieser Anspruch erst durch den Kollektivvertrag. Was heute selbstverständlich wirkt, wurde gewerkschaftlich verhandelt und muss immer wieder abgesichert werden.

Warum Mitglied werden, wenn der Kollektivvertrag auch für Nichtmitglieder gilt?

Kollektivvertragliche Verbesserungen gelten in der Regel für alle Beschäftigten, die dem jeweiligen Kollektivvertrag unterliegen. Verhandelt und durchgesetzt werden sie aber von Organisationen, die von ihren Mitgliedern getragen werden.

Ein hoher Organisationsgrad stärkt die Position der Arbeitnehmer:innen. Sind nur wenige Beschäftigte Mitglied, wird es schwieriger, höhere Einkommen, kürzere Arbeitszeiten oder besseren Schutz durchzusetzen.

Was hat die Gewerkschaft mit Betriebsrat und Jugendvertrauensrat zu tun?

Betriebsrät:innen vertreten die Belegschaft im Betrieb, etwa bei Arbeitszeit, Gesundheitsschutz, Umstrukturierungen, Gleichbehandlung oder personellen Fragen. Jugendvertrauensrät:innen vertreten Lehrlinge und junge Beschäftigte.

Studien zeigen, dass die Arbeitsbedingungen in Betrieben mit Betriebsrat besser sind als in jenen ohne einen Betriebsrat. Aber auch die Betriebe profitieren von der betrieblichen Mitbestimmung: In Krisen kommen Betriebe mit Betriebsrat besser durch als jene ohne.

Die Gewerkschaften unterstützen diese gewählten Vertretungen mit Beratung, Schulungen, Netzwerken und rechtlicher Expertise. Auch in Betrieben ohne Betriebsrat kann man sich an die Gewerkschaft wenden.

Arbeiterkammer, ÖGB und politische Interessenvertretung

Was ist der Unterschied zwischen Arbeiterkammer und Gewerkschaft?

Die Arbeiterkammer ist eine gesetzliche Interessenvertretung. Die meisten Arbeitnehmer:innen sind automatisch Mitglied. Gewerkschaften sind freiwillig organisiert.

Die AK berät unter anderem in arbeits-, sozial-, steuer- und konsumentenschutzrechtlichen Fragen. Gewerkschaften organisieren Beschäftigte, verhandeln Kollektivverträge, unterstützen Betriebsrät:innen und können gemeinsamen Druck in Betrieben und Branchen aufbauen. Beide Institutionen arbeiten eng zusammen, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.

Ist der ÖGB parteipolitisch?

Der ÖGB ist überparteilich und gehört keiner Partei. Unpolitisch kann eine Interessenvertretung von Arbeitnehmer:innen dennoch nicht sein: Entscheidungen über Löhne, Arbeitszeit, Pensionen, Pflege, Kinderbildung, Wohnen oder Steuern betreffen Beschäftigte unmittelbar.

Der ÖGB und seine Gewerkschaften arbeiten mit aller Kraft dafür, dass der vorhandene Wohlstand gerecht verteilt wird und dass alle Menschen auf soziale Sicherheit vertrauen können. Um diese Ziele durchzusetzen, nimmt der ÖGB Einfluss auf politische Parteien und Regierungen. Einerseits werden auf Anregung des ÖGB Gesetzesentwürfe in Gang gebracht, andererseits gibt der ÖGB zu Entwürfen Stellungnahmen ab.

Der ÖGB bewertet politische Vorhaben daher danach, welche Folgen sie für Arbeitnehmer:innen, Arbeitslose, Menschen in Ausbildung und Pensionist:innen haben.

Was bedeutet Sozialpartnerschaft?

Die Sozialpartnerschaft ist ein zentraler Pfeiler des österreichischen Sozialstaats und Garant für Kollektivverträge und sozialen Frieden. Sie beruht auf der freiwilligen Zusammenarbeit der Interessenvertretungen: ÖGB und Arbeiterkammer (AK) vertreten die Arbeitnehmer:innen, Wirtschaftskammer (WKÖ) und Landarbeitskammer (LAK) die Arbeitgeber. 

Für die Gewerkschaft geht es darum, die Interessen der Beschäftigten zu vertreten und deren Rechte zu verteidigen. Voraussetzung dafür ist eine starke Arbeitnehmer:innenseite, die auch dann handlungsfähig bleibt, wenn Verhandlungen zäh sind oder der Arbeitskampf auf der Straße fortgeführt wird.

Häufige Fragen und Einwände

Was bringt die Gewerkschaft jungen Beschäftigten?

Wer neu ins Arbeitsleben startet, kennt oft noch nicht alle Regeln. Die Gewerkschaft hilft bei Fragen zu Mindestgehalt, Probezeit, Berufsschule, Mehrarbeit, Überstunden oder Arbeitsvertrag. Die Gewerkschaftsjugend setzt sich außerdem für gute Ausbildung, faire Entlohnung und Mitbestimmung ein.

Was bringt sie Frauen und Menschen mit Betreuungspflichten?

Gewerkschaften beraten bei Schwangerschaft, Karenz, Elternteilzeit, Wiedereinstieg, Diskriminierung und sexueller Belästigung. Sie kämpfen zugleich für höhere Einkommen in frauendominierten Branchen, planbare Arbeitszeiten und bessere Rahmenbedingungen für Familien und pflegende Angehörige.

Darum solltest du als junge Frau einer Gewerkschaft beitreten

Ist Streik in Österreich erlaubt?

Ja, in Österreich gibt es ein Recht auf Streik.

Wenn Unternehmer die Interessen der Arbeitnehmer:innen nicht ernst nehmen und kein Interesse an seriösen Verhandlungen haben, entstehen Konflikte. Wenn alle Schlichtungsversuche und andere gesetzte Maßnahmen gescheitert sind, greifen Gewerkschaften und ÖGB zum mächtigen Mittel Arbeitskampf.

Streiken ist daher in Österreich erlaubt und auch nicht strafbar.

Kündigungen, die aufgrund der Teilnahme an einem Streik erfolgen, sind rechtswidrig und müssen vom Arbeitgeber letztendlich zurückgenommen werden

Das Recht auf Streik

Was, wenn ich von der Gewerkschaft enttäuscht bin?

Kritik und Mitgliedschaft schließen einander nicht aus. Verhandlungsergebnisse können enttäuschen, manche Branchen oder Lebensrealitäten können zu wenig vorkommen. Gewerkschaften sind demokratische Organisationen: Mitglieder können Fragen stellen, Anträge einbringen, kandidieren, Kolleg:innen organisieren und Debatten mitgestalten.

Wie kann ich die Mitgliedschaft beenden oder die Gewerkschaft wechseln?

Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Die Vorgangsweise, um eine Gewerkschaftsmitgliedschaft zu kündigen und mögliche Fristen richten sich nach der zuständigen Gewerkschaft. Bei einem Berufs- oder Branchenwechsel sollte zuerst geklärt werden, ob ein Wechsel zu einer anderen Gewerkschaft notwendig ist.

Warum braucht die Gewerkschaft Mitglieder?

Arbeitgeber:innen sind organisiert: in Verbänden, mit Rechtsabteilungen, Beratung und politischem Zugang. Beschäftigte brauchen eine ebenso verlässliche Gegenmacht.

Mitglieder sichern die Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit ihrer Gewerkschaft. Ihre Beiträge finanzieren Beratung und Rechtsschutz; ihre Beteiligung macht Forderungen glaubwürdig. Gewerkschaftliche Stärke lässt sich nicht bestellen – sie entsteht, wenn viele gemeinsam handeln.

Fazit: Allein ist ein Recht noch keine Stärke

Rechte auf dem Papier sind wichtig. Entscheidend ist aber, ob Beschäftigte sie kennen, durchsetzen und gemeinsam weiterentwickeln können. Genau dafür gibt es Gewerkschaften.

Eine Mitgliedschaft gibt dir Beratung und Rückhalt. Vor allem stärkt sie jene gemeinsame Organisation, die Kollektivverträge verhandelt, betriebliche Mitbestimmung unterstützt und den Interessen der Arbeitnehmer:innen politisches Gewicht gibt.

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