Arbeitsmarkt
Großes Fachkräftepotenzial bei Zugewanderten bleibt ungenutzt
Einfachere Anerkennung von Abschlüssen, Sprachförderung und Kinderbetreuung notwendig
Das Wichtigste in Kürze
- In Österreich fehlen Fachkräfte. Gleichzeitig bleibt Potenzial ungenutzt
- Rund 40 Prozent der Migrant:innen aus Nicht-EU-Ländern arbeiten unter ihrer Qualifikation
- Nur etwa 13 Prozent beantragen aufgrund von Hürden die Anerkennung ihrer Abschlüsse
- Besonders groß ist das ungenutzte Potenzial bei Frauen
- Der ÖGB fordert einfachere Anerkennung von Abschlüssen, mehr Sprachförderung und bessere Kinderbetreuung
Österreich sucht in vielen Branchen dringend Fachkräfte. Gleichzeitig bleibt ein großes Potenzial am Arbeitsmarkt ungenutzt: Viele Menschen, die aus Nicht-EU-Ländern zugewandert sind, können ihre Qualifikationen nicht einsetzen. Es braucht daher gezielte Maßnahmen, damit diese Fachkräfte tatsächlich in qualifizierten Jobs arbeiten können.
40 Prozent arbeiten unter ihrer Qualifikation
Zugewanderte spielen für den Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle. Rund ein Fünftel der Bevölkerung und etwa ein Viertel der Menschen im erwerbsfähigen Alter in Österreich hat eine Zuwanderungsgeschichte. Gleichzeitig zeigt sich ein großes Missverhältnis zwischen Ausbildung und tatsächlicher Beschäftigung: Rund 40 Prozent der Migrant:innen aus Nicht-EU-Ländern arbeiten in Jobs abseits ihrer Qualifikation. Viele hoch qualifizierte Menschen arbeiten stattdessen etwa im Handel, im Tourismus oder in der Industrie.
Anerkennung von Abschlüssen vereinfachen
Ein zentrales Hindernis ist die komplizierte Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Nur rund 13 Prozent der Zugewanderten stellen überhaupt einen Antrag auf Anerkennung. Die Verfahren sind oft langwierig, bürokratisch und für viele schwer zugänglich. Dadurch gehen dem Arbeitsmarkt wertvolle Fachkräfte verloren – gerade in Zeiten, in denen viele Betriebe verstärkt nach Fachkräften suchen und gleichzeitig immer mehr Beschäftigte in Pension gehen.
Auch bei Frauen mit Migrationshintergrund gibt es großes ungenutztes Potenzial. Während die Erwerbstätigenquote von Frauen ohne Migrationshintergrund bei über 70 Prozent liegt, ist sie bei Migrantinnen deutlich niedriger. Besonders groß ist der Unterschied bei Frauen aus bestimmten Herkunftsländern: Nur etwa jede vierte Frau aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak ist erwerbstätig. Gründe dafür sind unter anderem fehlende Kinderbetreuung, Sprachbarrieren oder schwierige Zugänge zum Arbeitsmarkt.
Unterstützung beim Einstieg in den Arbeitsmarkt
Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Migrantinnen gut qualifiziert sind oder großes Potenzial haben. In manchen Gruppen ist der Anteil an akademischen Abschlüssen sogar besonders hoch. Damit diese Kompetenzen auch genutzt werden können, braucht es gezielte Unterstützung beim Einstieg in den Arbeitsmarkt sowie bessere Möglichkeiten für Aus- und Weiterbildung.
Für den ÖGB ist klar: Österreich kann es sich angesichts des Fachkräftebedarfs nicht leisten, dieses Potenzial ungenutzt zu lassen. Notwendig sind schnellere und einfachere Anerkennungsverfahren für ausländische Abschlüsse, mehr gezielte Sprachförderung sowie eine flächendeckende und kostengünstige Kinderbetreuung. So können mehr Menschen entsprechend ihrer Qualifikation arbeiten – und der österreichische Arbeitsmarkt gewinnt gleichzeitig wichtige Fachkräfte.