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Paketzusteller sitzt erschöpft auf der Laderampe seines vollen Kleinlastwagen. Im Hintergrund eine Lagerhalle voller weiterer Pakete
Gorodenkoff – stock.adobe.com
Stimmungsbild

Neue Studie: Arbeitsdruck steigt, Arbeitsklima sinkt

BetriebsrätInnen liefern im „Strukturwandelbarometer 2021” spannende Einblicke in die heimischen Betriebe

Wie geht es den Beschäftigten an ihren Arbeitsplätzen und mit welchen Herausforderungen haben sie zu kämpfen? Antworten auf diese und viele andere Fragen gibt das aktuelle „Strukturwandelbarometer“ des Meinungsforschungsinstituts IFES im Auftrag von ÖGB und Arbeiterkammer.

Die Studie zeigt auf, wie es Beschäftigten in Österreich an ihrem Arbeitsplatz geht. Knapp 1.400 BetriebsrätInnen haben Ende 2021 an der Studie teilgenommen und berichten, was in den Unternehmen gut läuft und wo es mächtig hapert. 

Runter mit der Arbeitszeit 

Seit fast zwei Jahren herrscht in den Betrieben eine Ausnahmesituation. Darunter leiden die ArbeitnehmerInnen ganz besonders: Der Arbeitsdruck ist laut Studie nochmals nach oben geschnellt und gleichzeitig ist das Arbeitsklima weiter auf Talfahrt

„Es waren die Beschäftigten, die in der Krise viele Unternehmen am Laufen gehalten und alle Vorschriften und Maßnahmen mitgetragen haben. Arbeitgeber sind jetzt aufgerufen, endlich mehr Augenmerk auf die Beschäftigten zu legen. Es geht um Respekt und Wertschätzung!“, fordert Willi Mernyi, Leitender Sekretär des ÖGB.

 	 Leitender Sekretär des ÖGB für den Bereich Organisation
Sebastian Philipp

Die ArbeitnehmerInnen stöhnen unter ständig steigendem Arbeitsdruck. 

Arbeitgeber sind jetzt aufgerufen, endlich mehr Augenmerk auf die Beschäftigten zu legen.

„So ist eine Arbeitszeitverkürzung, etwa in Form einer 4-Tage-Woche, längst überfällig. Nur so kommen die Menschen zu mehr Entspannung und Freizeit. Wir wissen aus vielen Beispielen, dass MitarbeiterInnen etwa bei einer 4-Tage-Woche motivierter und produktiver in der Arbeit sind“, so der Gewerkschafter.

Die ArbeitnehmerInnen sind bereit: Mehr als die Hälfte der befragten BetriebsrätInnen ortet bei den KollegInnen den Wunsch nach einer Arbeitszeitverkürzung. 

Zweischneidiges Schwert Homeoffice 

Kopfzerbrechen bereitet vielen BetriebsrätInnen, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben weiter verschwimmen. Die Beschäftigten stöhnen unter einem immer größeren Berg an Überstunden und unter ständiger Erreichbarkeit – gerade im Homeoffice. Positiv beim Homeoffice sehen viele aber auch die dazugewonnene Flexibilität sowie neue technische Geräte und Software. 

Kontakte werden schwieriger 

Herausfordernd war das vergangene Pandemiejahr auch für BetriebsrätInnen – sie waren nicht mehr so regelmäßig in betriebliche Entscheidungen eingebunden wie noch im Jahr 2020. Was es jetzt braucht, ist aber nicht weniger, sondern mehr betriebliche Mitbestimmung.

Auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen 2021 im Homeoffice gearbeitet haben, hat Spuren hinterlassen: BetriebsrätInnen sagen, dass die Kommunikation mit der Belegschaft dadurch schwieriger wurde.  

Um Fachkräfte zu bekommen, müssen Unternehmen endlich den Ausbildungsturbo zünden. Zusätzlich müssen Arbeitsbedingungen und Einkommen endlich deutlich nach oben.“

Willi Mernyi, Leitender Sekretär des ÖGB

Mit Qualität gegen den Fachkräftemangel 

Große Probleme sehen acht von zehn BetriebsrätInnen bei Vorhaben ihrer Firmen, zusätzliches Personal einstellen zu wollen. Die Zeit ist überreif für eine flächendeckende Lehrlingsoffensive. Fachkräfte fallen nicht vom Himmel und wer heute nicht ausbildet, braucht sich morgen nicht wundern, dass es keine Fachkräfte gibt. Akuten Ausbildungsbedarf orten die BetriebsrätInnen in allen Branchen. Probleme sehen sie aber auch bei der Versorgung mit Rohstoffen und den steigenden Energiepreise. 

„Die BetriebsrätInnen liegen hier genau richtig. Sie haben gute Sensoren, wo die Probleme der Zukunft liegen“, ist Willi Mernyi überzeugt. Um die Fachkräfte von morgen zu finden, „führt kein Weg daran vorbei, dass die Unternehmen den Ausbildungsturbo zünden. Zusätzlich müssen wir Arbeitsbedingungen und Einkommen endlich deutlich nach oben bringen“, fordert Mernyi. 

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ArbeitnehmerInnen muss es gut gehen  

Arbeitsplätze sichern und den Druck auf die Beschäftigten herausnehmen, müssen weiterhin klare Ziele bleiben. Ziele erreicht man am besten gemeinsam.

„Die Herausforderung für Arbeitgeber besteht nun darin, Wege zu finden, um positive Aspekte zu verstärken und negative Aspekte zu mildern, um sicherzustellen, dass die MitarbeiterInnen optimistisch und motiviert bleiben. Wir sind jederzeit bereit, unser Know-how einzubringen“, appelliert Mernyi gemeinsam mit AK-Direktor Christoph Klein. 

Eines ist klar: Mit Betriebsrat geht´s den Beschäftigten besser, wie auch dieses Strukturwandelbarometer wieder zeigt. Jede einzelne Betriebsratskörperschaft ist ein Schritt in Richtung eines guten Lebens für alle Beschäftigten. 

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Und: Wenn du bereits Betriebsrat oder Betriebsrätin bist, dann kannst du deine neuen KollegInnen unterstützen – werde Betriebsrats-Buddy!

Helfen wir gemeinsam mit, dass es in Österreichs Unternehmen noch mehr BetriebsrätInnen gibt, die einen Beitrag zu einer besseren Berufswelt leisten.

Alle Infos auf www.mir-reichts.at oder der Hotline 0800 22 12 00 60

 

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