Arbeitnehmer:innenschutz
Gewalt hat am Arbeitsplatz keinen Platz
ÖGB-Gewaltschutztagung diskutiert Strategien gegen Hass, Mobbing und Übergriffe im Job
Das Wichtigste in Kürze
- Tagung „Tatort Arbeitsplatz – Ned mit uns!“ widmete sich Strategien gegen Gewalt im Job
- Gewalt am Arbeitsplatz reicht von Beschimpfungen bis zu körperlichen Übergriffen
- Besonders betroffen sind Beschäftigte in Dienstleistungs-, Pflege- und Gesundheitsberufen
- Prävention im Betrieb kann Gewalt früh erkennen und verhindern
- Gewerkschaften fordern verbindliche Gewaltschutzmaßnahmen in Betrieben
Gewalt, Hass und Mobbing sind für viele Beschäftigte traurige Realität. Wie Betriebe, Interessenvertretungen und Politik besser dagegen vorgehen können, stand im Mittelpunkt der Gewaltschutztagung „Tatort Arbeitsplatz – Ned mit uns!“ in Wien. Organisiert wurde die Veranstaltung von ÖGB, den Gewerkschaften vida, GPA und GÖD, der Arbeiterkammer Wien sowie dem Opferschutzverein Weisser Ring.
Expert:innen aus Wissenschaft, Praxis und Interessenvertretung sowie Hunderte Betriebsrät:innen diskutierten dabei konkrete Strategien für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz – von Prävention im Betrieb bis zu klaren gesetzlichen Regeln.
Gewalt hat viele Gesichter
Gewalt am Arbeitsplatz kann unterschiedlich auftreten: verbale Angriffe, Drohungen, Diskriminierung, Mobbing oder körperliche Übergriffe. Besonders häufig betroffen sind Beschäftigte in Dienstleistungsberufen, im Gesundheits- und Pflegebereich oder im öffentlichen Dienst.
Die Folgen sind gravierend. Gewalt belastet die Gesundheit der Beschäftigten, wirkt sich negativ auf das Arbeitsklima aus und kann langfristige Folgen für ganze Organisationen haben. Genau deshalb braucht es wirksame Maßnahmen zur Prävention.
Prävention schützt Beschäftigte
ÖGB-Bundesfrauensekretärin Dorottya Kickinger betonte bei der Tagung die wichtige Rolle der Betriebe im Gewaltschutz: „Gewalt hat im Betrieb keinen Platz. Prävention schützt Beschäftigte und kann helfen, Übergriffe frühzeitig zu erkennen und zu verhindern“, so Kickinger.
Dabei gehe es nicht nur um Gewalt im unmittelbaren Arbeitskontext. Auch häusliche Gewalt könne Auswirkungen auf den Arbeitsplatz haben – etwa durch Stalking, Drohungen oder Belästigungen im Umfeld der Arbeit. Umso wichtiger seien klare Strukturen im Betrieb und geschulte Ansprechpersonen.
Betriebe können viel dazu beitragen, Gewalt vorzubeugen: durch klare Regeln gegen Gewalt und Belästigung, durch Schulungen für Führungskräfte und Beschäftigte sowie durch konkrete Unterstützung für Betroffene.
Klare Regeln und Verantwortung der Arbeitgeber
Neben Prävention im Betrieb braucht es aus Sicht der Gewerkschaften auch klare gesetzliche Rahmenbedingungen.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft vida, Roman Hebenstreit, machte deutlich, dass hinter den Zahlen konkrete menschliche Schicksale stehen: „Statistiken lügen nicht. Statistiken weinen aber nicht und tragen auch keine seelischen Verletzungen mit sich“, sagte Hebenstreit bei der Tagung.
Für ihn ist daher klar: Sensibilisierung allein reicht nicht aus. „Was wir brauchen, sind knallharte und gesetzlich verankerte Gewaltschutzmaßnahmen“, betonte der vida-Vorsitzende.
Dazu zählen etwa verpflichtende Präventionskonzepte, klare Zuständigkeiten im Betrieb und eine Unternehmenskultur, die Gewalt und Belästigung nicht toleriert. Arbeitgeber sind verpflichtet, für Sicherheit und Schutz am Arbeitsplatz zu sorgen und entsprechende Maßnahmen umzusetzen.
Ein gemeinsames Ziel: sichere Arbeitsplätze
Die Gewaltschutztagung machte deutlich, dass Gewalt am Arbeitsplatz kein individuelles Problem einzelner Beschäftigter ist, sondern eine Herausforderung für die gesamte Arbeitswelt.
Umso wichtiger ist es, Prävention zu stärken, Betroffene zu unterstützen und Arbeitgeber stärker in die Pflicht zu nehmen. Denn ein sicherer Arbeitsplatz ist eine zentrale Voraussetzung für gute Arbeitsbedingungen.
Mehr Info auf: www.oegb.at/wege-aus-der-gewalt und www.vida.at/de/wir-helfen/tatort-arbeitsplatz