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Equal Pay Day 2026: Frauen verlieren jeden Monat 366 Euro. Prostock-studio – stock.adobe.com

Lohnlücke

Equal Pay Day 2026: Frauen verlieren jeden Monat 366 Euro

Am 5. November ist Equal Pay Day in Österreich. Frauen verdienen weiterhin deutlich weniger als Männer. Der ÖGB fordert ein Ende der Blockade bei der EU-Lohntransparenzrichtlinie.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 5. November 2026 ist in Österreich Equal Pay Day. Frauen verdienen bei ganzjähriger Vollzeit durchschnittlich 15,5 Prozent weniger als Männer.
  • Laut einer ÖGB-Analyse hätten Frauen bei Schließung der untersuchten Lohnlücke durchschnittlich 366 Euro netto mehr im Monat.
  • Österreich hat die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie am 7. Juni 2026 versäumt.
  • Der ÖGB fordert mehr Lohntransparenz, damit ungerechtfertigte Einkommensunterschiede sichtbar werden und beseitigt werden können.

366 Euro netto im Monat. So viel mehr hätten Frauen im Durchschnitt, wenn die gesamte in einer ÖGB-Analyse untersuchte Lohnlücke geschlossen würde. Geld, das für Miete, Lebensmittel, Kinderbetreuung oder die eigene finanzielle Absicherung fehlt. Der Equal Pay Day am 5. November 2026 zeigt, wie weit Österreich noch von Einkommensgerechtigkeit entfernt ist.

Obwohl Frauen und Männer Anspruch auf gleiche Bezahlung für gleiche oder gleichwertige Arbeit haben, bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede. Für Sandra Steiner, geschäftsführende ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende, ist klar: „Faire Löhne brauchen kein Geheimnis, sondern Offenheit. Nur wer Unterschiede sichtbar macht, kann Ungerechtigkeit beseitigen.“

Was bedeutet der Equal Pay Day?

Der Equal Pay Day macht den Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern sichtbar. Er markiert jenen Tag, ab dem Frauen im Vergleich zu Männern rechnerisch bis zum Jahresende unbezahlt arbeiten. 2026 fällt der österreichweite Equal Pay Day auf den 5. November. Der Einkommensunterschied beträgt 15,5 Prozent. Das entspricht 57 Kalendertagen.

Grundlage sind die durchschnittlichen Bruttojahreseinkommen von Frauen und Männern, die das ganze Jahr über Vollzeit gearbeitet haben. Teilzeit erklärt diesen Unterschied also nicht. Im Vorjahr war der Equal Pay Day noch am 2. November. Die Einkommensschere hat sich damit etwas verkleinert. Geschlossen ist sie aber noch lange nicht.

Wie viel Geld verlieren Frauen durch die Einkommenslücke?

Was ungleiche Bezahlung finanziell bedeutet, zeigt eine Analyse des Volkswirtschaftlichen Referats des ÖGB. Untersucht wurden die Einkommen von Arbeiterinnen und Angestellten zwischen 20 und 59 Jahren, ohne Lehrlinge, auf Basis des Mikrozensus 2024. Das Ergebnis: Frauen verdienen in der untersuchten Gruppe pro Stunde durchschnittlich 16 Prozent weniger als Männer. Würde diese gesamte Lohnlücke geschlossen, hätten Frauen im Durchschnitt 366 Euro netto mehr pro Monat.

Auch wenn Faktoren wie Branche, Beruf, Ausbildung oder Berufserfahrung berücksichtigt werden, bleibt ein statistisch nicht erklärter Einkommensunterschied von 10,2 Prozent. Das entspricht durchschnittlich 221 Euro netto pro Monat. Diese Berechnung ist nicht mit jener des Equal Pay Day gleichzusetzen. Während der Equal Pay Day die durchschnittlichen Bruttojahreseinkommen ganzjährig Vollzeitbeschäftigter vergleicht, untersucht die ÖGB-Analyse Stundenverdienste und berechnet daraus einen möglichen monatlichen Netto-Einkommensgewinn.

Warum verdienen Frauen weniger als Männer?

Die Ursachen sind vielfältig. Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Berufen, sind seltener in Führungspositionen vertreten und übernehmen einen größeren Teil der unbezahlten Kinderbetreuung, Pflege und Hausarbeit. Das führt oft zu Teilzeit, Erwerbsunterbrechungen und geringeren Aufstiegschancen. Die Folgen reichen bis in die Pension.

Doch auch bei Vollzeitbeschäftigung bestehen Einkommensunterschiede. Dazu kommen Unterschiede bei Zulagen, Prämien und Boni, die für Beschäftigte oft kaum nachvollziehbar sind. Genau hier setzt Lohntransparenz an: Sie soll sichtbar machen, wie Entgelte zustande kommen und ob Frauen und Männer für gleiche oder gleichwertige Arbeit fair bezahlt werden.

Mehr dazu: Fünf Mythen zum Gender Pay Gap

EU-Lohntransparenzrichtlinie: Österreich hat die Frist versäumt

Bis zum 7. Juni 2026 hätte Österreich die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umsetzen müssen. Die Frist ist verstrichen, ein allgemeines österreichisches Umsetzungsgesetz fehlt weiterhin. Die Richtlinie soll Beschäftigten ermöglichen, leichter Informationen über die Bezahlung vergleichbarer Tätigkeiten und über die Kriterien der Entgeltfestsetzung zu erhalten. Unternehmen sollen außerdem geschlechtsspezifische Entgeltunterschiede systematischer überprüfen. „Es kann nicht sein, dass Arbeitgebervertreter die Richtlinie blockieren, nur weil sie sie nicht wollen“, kritisiert Sandra Steiner.

Der ÖGB fordert ein Ende der Verzögerungen. Denn ohne klare gesetzliche Regeln bleiben ungerechtfertigte Einkommensunterschiede häufig verborgen. Auch Betriebe können profitieren: Nachvollziehbare Entgeltsysteme schaffen Vertrauen, erleichtern die Personalgewinnung und können rechtliche Risiken verringern.

EU-Lohntransparenzrichtlinie: Welche Rechte haben Beschäftigte in Österreich?


Frauen verlieren Geld. Die Politik schaut zu.

Das ist der rechnerische Einkommensnachteil von Frauen seit Ablauf der Umsetzungsfrist der EU-Entgelttransparenzrichtlinie (7. Juni 2026)

Schluss mit der Warterei. Lohntransparenz jetzt!

Der Betrag zeigt den durchschnittlichen rechnerischen Netto-Einkommensunterschied bei vergleichbaren Merkmalen seit dem 8. Juni 2026.

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Was fordert der ÖGB für faire Bezahlung?

Die ÖGB-Frauen fordern eine rasche und vollständige Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie – ohne Schlupflöcher.

  • Transparente Gehälter und Löhne: Beschäftigte müssen nachvollziehen können, nach welchen Kriterien sie bezahlt werden.
  • Faire Entgeltsysteme: Auch Boni, Zulagen und Prämien müssen nach objektiven, geschlechtsneutralen Kriterien vergeben werden.
  • Wirksame Maßnahmen: Ungerechtfertigte Einkommensunterschiede müssen erkannt und beseitigt werden.
  • Rechtssicherheit: Beschäftigte, Betriebsräte und Unternehmen brauchen klare und praktikable Regeln.

Lohntransparenz allein wird die gesamte Einkommensschere nicht schließen. Dafür braucht es auch bessere Kinderbetreuung, gerechtere Aufteilung unbezahlter Arbeit und eine Aufwertung schlechter bezahlter Frauenberufe. Sie ist aber ein entscheidender Schritt, um ungerechtfertigte Unterschiede aufzudecken.

Was kannst du tun, wenn du weniger verdienst?

Du hast den Verdacht, wegen deines Geschlechts schlechter bezahlt zu werden? Dann wende dich an deinen Betriebsrat oder deine Gewerkschaft. Ungleiche Bezahlung aufgrund des Geschlechts ist bereits nach geltendem österreichischem Recht verboten. Bei der Geltendmachung zusätzlicher Informationsrechte aus der EU-Richtlinie ist die Rechtslage wegen der fehlenden österreichischen Umsetzung noch im Einzelfall zu prüfen.

Häufige Fragen zum Equal Pay Day

Wann ist Equal Pay Day 2026 in Österreich?

Der österreichweite Equal Pay Day fällt 2026 auf den 5. November. Ab diesem Tag arbeiten Frauen im Vergleich zu Männern statistisch gesehen bis zum Jahresende unbezahlt.

Wie wird der Equal Pay Day berechnet?

Verglichen werden die durchschnittlichen Bruttojahreseinkommen von Frauen und Männern bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung. Der Einkommensunterschied wird in Kalendertage umgerechnet.

Wie groß ist der Einkommensunterschied in Österreich?

Für den Equal Pay Day 2026 beträgt er 15,5 Prozent. Die ÖGB-Analyse zu Stundenverdiensten weist für eine andere Beschäftigtengruppe eine Lohnlücke von 16 Prozent aus. Die Ergebnisse haben unterschiedliche Berechnungsgrundlagen.

Warum verwendet der ÖGB-Zähler 366 Euro?

Die 366 Euro sind der durchschnittliche monatliche Netto-Einkommensgewinn, der sich laut ÖGB-Analyse bei vollständiger Schließung der untersuchten Lohnlücke ergeben würde. Der Zähler stellt diesen Betrag seit Ablauf der EU-Umsetzungsfrist rechnerisch dar.

Was bringt die EU-Entgelttransparenzrichtlinie?

Sie soll Beschäftigten mehr Informationen über Gehälter und Löhne ermöglichen und Arbeitgeber:innen verpflichten, Entgeltunterschiede transparenter zu machen. Ziel ist die wirksamere Durchsetzung gleicher Bezahlung für gleiche oder gleichwertige Arbeit.

Was bedeutet gleiche oder gleichwertige Arbeit?

Nicht nur identische Tätigkeiten sind gemeint. Auch unterschiedliche Arbeiten können gleichwertig sein, etwa aufgrund vergleichbarer Anforderungen an Qualifikation, Verantwortung, Belastung und Arbeitsbedingungen.

Was passiert, wenn Österreich die Richtlinie nicht umsetzt?

Die EU-Kommission kann ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten. Im weiteren Verlauf können finanzielle Sanktionen folgen. Vor allem verzögert sich dadurch die Schaffung klarer nationaler Regeln für mehr Entgelttransparenz.