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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund

"Zweite Kassa, bitte!"

Es gibt Möglichkeiten, Shopping-Staus zu vermeiden. Die einfachste Lösung: mehr Personal

Wer kennt das nicht? Man möchte am Abend noch schnell im Supermarkt einkaufen gehen und dann wird man an der Kasse ausgebremst: Da sucht ein Kunde nach den passenden Münzen, ein anderer holt noch schnell Obst aus dem Regal, und beim nächsten funktioniert die Kartenzahlung nicht sofort. Wenn dann auch noch jemand ein Produkt zurückgeben möchte, bildet sich schnell eine lange Schlange ungeduldiger KundInnen. So geschehen auch letztens bei einem Discounter.

"Eine bodenlose Frechheit, dass wir solange warten müssen."

Egal ob Schreibwaren, Elektronik oder Spielzeug: Der Discounter verkauft im Grunde genommen alles – zu sehr günstigen Preisen. Gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit, ist der Ansturm groß. Auch letzten Freitag in der Mittagszeit. Der Billigladen ist überfüllt, eine der zwei Angestellten befindet sich auf Mittagspause, während die zweite die KundInnen bedient. Es dauert nicht lange, bis die ersten Stimmen laut werden: „Unglaublich, dass nur eine Kasse geöffnet ist“, „eine bodenlose Frechheit, dass wir solange warten müssen“ und „zweite Kassa, bitte“, hallt es durch den Store. Eine Kundin verlangt sogar, dass die zweite Kassierin ihre Mittagspause unterbricht: „So etwas hätte es zu meiner Zeit nicht gegeben. Wir mussten unsere Pausen immer unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen“, schreit sie in Richtung Kassa.

Kassierin kann nichts dafür, dass sie alleine kassieren muss

Okay, man muss zugeben, dass lange Wartezeiten nervtötend sein können. Und es ist allzu menschlich, dass man sich darüber ärgert. Vor allem dann, wenn man es eilig hat oder in der Vorweihnachtszeit, wenn man viele Geschenke besorgen muss. Aber ist es fair, seinen Unmut an den MitarbeiterInnen auszulassen? Oder schlimmer noch, zu verlangen, dass sie ihre Pause unterbrechen? oegb.at sagt ganz klar: Nein. Denn die Beschäftigten können nichts dafür, dass Handelskonzerne – nur um Personal einzusparen – den Frust an der Kassa bewusst in Kauf nehmen.

Akkordarbeit – und zwar Tag für Tag

Gerade in der Vorweihnachtszeit sind die Geschäfte voll – und zwar nicht nur am Wochenende, sondern auch an jedem anderen beliebigen Wochentag. Vor allem in den Wochen vor Weihnachten leisten die Beschäftigten im Handel jeden Tag mehrere Stunden Akkordarbeit, mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Sie holen Waren aus dem Lager, schlichten sie in die Regale, helfen beim Eingang der Warenlieferung, kontrollieren Produkte, geben Restbeträge zurück, wischen den Boden und nebenher bedienen sie die Kassa.

Und was machen ihre Chefs? Sie lassen zu, dass diese hart arbeitenden Menschen auch noch ständig von verärgerten und nervösen KundInnen angemotzt werden, weil es ihnen zu langsam an der Kassa geht. Und das, obwohl es genug Möglichkeiten gibt, Shopping-Staus zu vermeiden. Die einfachste: mehr Personal. Das hätte zwei Vorteile: höhere Zufriedenheit unter den KundInnen und Entlastung der Beschäftigten. Doch am Trend, immer weniger Vollzeit- und immer mehr Teilzeitkräfte zu beschäftigen und ständige Unterbesetzung in Kauf zu nehmen, scheinen die Konzerne nichts ändern zu wollen. Warum auch? Sie haben keine Angst, dass ihnen die KundInnen davonlaufen, denn auch bei der Konkurrenz sieht die Situation nicht viel rosiger aus.

Dass lange Wartezeiten eine Folge von ständiger Unterbesetzung sind, zeigt auch der Umstand, dass sich in Discountern oder auch in Drogerien immer öfter gar keine besetzte Kasse mehr findet. Oft steht man ganz alleine an der Kasse und muss dennoch einige Minuten warten, bis jemand kommt und die Waren über das Lesegerät zieht. Kaum ist das erledigt, verlässt die/der KassierIn wieder fluchtartig die Kasse in Richtung Verkaufsfläche, um noch ein paar Dinge im Geschäft zu erledigen. Offenbar wollen sich die Supermärkte keine zusätzliche Mitarbeiterin leisten, weil diese dann doch ein paar Minuten untätig an der Kasse sitzen könnte. Was für ein Albtraum!

Umdenken notwendig

Handelsbeschäftigte leisten täglich sehr anstrengende Arbeit. Sie fangen mit ihrer Arbeit viel früher an, als das Geschäft eigentlich öffnet und bleiben auch noch lange nach den Schließzeiten in der Filiale, um alles für den nächsten Tag vorzubereiten. Wenn eine Kollegin ausfällt, arbeitet eine andere für zwei oder sogar für drei. Und: Egal, wie entnervt die KundInnen sind, egal, wie sie selbst unter der Situation leiden, sie versuchen stets freundlich zu lächeln und die KundInnen bestmöglich zu bedienen.

Daher ist es mehr als unfair, an ihnen den ganzen Frust auszulassen. Dieser sollte sich vielmehr gegen die Konzernleitung richten, die tatenlos dabei zusieht, wie sich KundInnen über lange Wartezeiten ärgern und die Beschäftigten unter dem ständigen Personalmangel leiden. Wege, um sich bei der Konzernleitung zu beschweren, gibt es viele: per Brief, per E-Mail oder am Telefon. Die Kontaktdaten finden Sie auf den jeweiligen Websites. Eines ist klar: Je höher die Zahl derjenigen, die sich über solche Zustände beschweren, desto größer ist die Chance, dass sich etwas ändert und ein Umdenken im Konzern stattfindet.

Mehr Informationen:
Kunden im Handel immer aggressiver

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