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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund
Wer am Land lebt und ein Haus oder eine Wohnung besitzt, verzichtet eher auf Ansprüche. Wer am Land lebt und ein Haus oder eine Wohnung besitzt, verzichtet eher auf Ansprüche.

73.000 nutzen Mindestsicherung nicht

Zehntausende beantragen Mindestsicherung nicht. Warum? Aus Scham und fehlender Anonymität.

30 Prozent jener Menschen, die Anspruch auf die Mindestsicherung hätten, stellen keinen Antrag darauf und holten sich die Geldleistung 2015 nicht ab. Das zeigt eine Studie des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung. Ein Ergebnis: Wer am Land lebt und ein Haus oder eine Wohnung besitzt, verzichtet eher auf Ansprüche.

Zugang zu Mindestsicherung erleichtert

Im internationalen Vergleich sind 30 Prozent niedrig. In anderen Ländern liegt die Zahl der Nicht-Inanspruchnahme schon mal bei 50 Prozent. Auch in Österreich war sie einmal höher. Während auf die Geldleistung 2009 (damals noch unter dem Label "Sozialhilfe") noch knapp mehr als 53 Prozent der Anspruchsberechtigten verzichteten, sank dieser Prozentsatz bis 2015 auf 30 Prozent, so Mitautor Michael Fuchs und Sozialexperte Martin Schenk (Armutskonferenz).

Grund dafür sind die damals eingeführte Mindestsicherung und begleitende Maßnahmen, die den Zugang zur Leistung erleichtert haben. So wurde u.a. die Rückzahlungspflicht, wenn man später wieder etwas verdient, abgeschafft. Beigetragen hat laut den Studienautoren auch, dass der "stigmatisierende" Sozialhilfe-Krankenschein durch die E-Card abgelöst wurde. Ebenso eingeführt wurde damals, dass die Mindestsicherung nicht mehr im Gemeindeamt, sondern in der Bezirkshauptmannschaft beantragt werden kann. Das hat die Anonymität besonders am Land gefördert.

Angst, das Haus zu verlieren

Die Gründe, warum Betroffene die Mindestsicherung nicht anfordern, sind vielfältig, sagt Fuchs. Menschen, die in Arbeit stehen und nur eine geringe Aufstockung von zum Beispiel 50 Euro bekämen, verzichten lieber darauf, als ihre gesamte Einkommens- und Vermögenssituation offenzulegen. Viele haben auch Angst, dann das Haus oder die Eigentumswohnung zu verlieren oder verkaufen zu müssen. Wer eine Wohnung gemietet hat, stellt daher eher einen Antrag, ebenso wie Alleinerziehende.

Menschen fühlen sich am Land eher stigmatisiert

Menschen am Land fühlen sich eher stigmatisiert, wenn sie finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen. Es spricht sich schneller herum und ist weniger anonym als in großen Städten. Sie verzichten daher eher darauf, einen Antrag zu stellen, so Schenk. Weil sie sich schämen und unsichtbar bleiben wollen.

Wer früh hilft, spart doppelt

Der Staat erspart sich allerdings nichts, wenn sich weniger Menschen als nötig die Mindestsicherung abholen. Denn ohne Mindestsicherung sind viele nicht krankenversichert. Die Folgekosten können dann bis zu sieben Mal so teuer sein. Kinder sind besonders betroffen. Holen sich die Eltern die Mindestsicherung nicht ab, können sie zehn Mal weniger Feste feiern, können oder trauen sich nicht, FreundInnen nach Hause einzuladen oder nehmen an Schulveranstaltungen und Geburtsfeiern nicht teil. Mit der neuen Sozialhilfe spart die Regierung aber erneut gerade dort.

Weiter Information zum Mindestsicherung:


 

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