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Wohnen bleibt in der Krise teuer

Wien als Vorzeigemodell für günstige Mieten in Europa

Die Corona-Pandemie trifft Österreichs ArbeitnehmerInnen vor allem finanziell mit voller Wucht: Ende Juni waren inklusive Schulungen noch immer mehr als 450.000 Menschen arbeitslos. Das sind rund 140.000 mehr als im Juni 2019, die Arbeitslosenquote liegt bei mehr als zehn Prozent. Fast genauso viele Menschen, nämlich knapp über 400.000, sind in Österreich immer noch in Kurzarbeit.

Das heißt: Viele Menschen im Land stehen vor groben finanziellen Problemen und müssen sparen. Nicht möglich ist das aber bei einem der größten Kostenpunkte für viele Menschen, dem Wohnen, wie der jetzt veröffentlichte Property Index des Beratungsunternehmens Deloitte offenbart. Dort geht man davon aus, dass der Immobilienmarkt von der Corona-Pandemie praktisch nicht betroffen sein wird. Und was für Europa gilt, gilt auch für Österreich.  

Wien glänzt im Europa-Vergleich

Wer in Wien wohnt, kann allerdings noch von Glück sprechen. Denn obwohl Österreichs Hauptstadt seit Jahren die lebenswerteste Stadt der Welt ist, bleiben zumindest die Mieten im europäischen Vergleich günstig.

Vergleich Europäischer Städte und deren Mietpreise

In konkreten Zahlen heißt das: In Wien kostet ein Quadratmeter im Schnitt 9,90 Euro. In London und Paris wird fast das Dreifache fällig, nämlich 27 bzw. 28,30 Euro, in Luxemburg sogar 30,70. In München fallen 16,40 Euro pro Miet-Quadratmeter an, in Prag 12,30. Auch Bratislava ist mit durchschnittlich 11 Euro teurer.

„Wir brauchen jetzt sofort eine Wohnbauoffensive!" Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender Gewerkschaft Bau-Holz

Es zahlt sich also nachweislich aus, sich für MieterInnen und leistbares Wohnen auch politisch stark zu machen – und zwar weiterhin. „Wir brauchen jetzt sofort eine Wohnbauoffensive”, fordert etwa Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz. 30.000 Wohnungen würde am Markt fehlen, 20.000 Arbeitsplätze würde man mit der Errichtung schaffen. Dazu soll die Wohnbaubank der Nachhaltigkeitsinitiative “UMWELT+BAUEN” sorgen. „Diese zusätzliche Wohnbaufinanzierung wird leistbares Wohnen ermöglichen und Arbeitsplätze schaffen”, erklärt Muchitsch. Dazu braucht es jetzt nur mehr den Goodwill der türkis-grünen Bundesregierung. „Noch sind die Auftragsbücher voll, aber wir müssen schon jetzt für den Herbst 2020 und das Frühjahr 2021 vorbeugen. Denn die vorliegenden Prognosen verheißen ab Herbst nichts Gutes”, warnt der GBH-Bundesvorsitzende.

„Bemerkenswerte” Großstadt Wien

Für Gabriele Etzl, Partnerin bei Jan Weiler Operenyi/Deloitte Legal, ist das “bemerkenswert”. Der Grund dafür sei „sicherlich die preisdrückende Wirkung im Vollanwendungsbereich des österreichischen Mietrechtsgesetzes sowie geförderter Wohnbau”, analysiert Etzl. In anderen Worten: Gerade beim Wohnen müssen Menschen weit vor Renditen stehen.

Katastrophale Preise für Eigentum

Anders sieht die Sache beim Eigentum aus: Der Quadratmeter kostet im Schnitt 4.176 Euro, für eine 70 m2-Wohnung sind also rund zehn durchschnittliche Bruttojahresgehälter nötig. Österreich ist in diesem Ranking auf dem traurigen dritten Platz in Europa. Noch vor 50 Jahren waren dafür nicht einmal zwei Jahresbruttogehälter nötig. Eigentum zu kaufen, wenn die Miete zu teuer wird, ist also – zumindest mittlerweile – ein erstaunlich realitätsferner Gedanke. Das Verhältnis von Einkommen zu den Kosten der Grundbedürfnisse der ArbeitnehmerInnen zurechtzurücken, wäre dringend notwendig.  

Die teuerste europäische Stadt ist weiter Paris mit erschreckenden 12.863 Euro für einen Quadratmeter Eigentum, in München muss man 8.250 Euro hinblättern, in London 7.699.

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