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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund

12-Stunden-Tag erhöht Unfallrisiko um 80 Prozent

Arbeitsmedizin-Leitfaden: Was überlange Arbeitszeit für die Gesundheit bedeutet

Lange Arbeitszeiten können zu mehr Unfällen und mehr Erkrankungen führen. „Die Verlängerung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit bringt Risiken und Gefährdungen im Gesundheitsbereich“, sagte Erich Pospischil, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin (ÖGA). Die Gesellschaft hat daher einen Leitfaden zur Beurteilung langer Arbeitszeiten erarbeitet.

Unfallrisiko steigt um 80 Prozent

Dafür wurden zahlreiche internationale Studien aufgearbeitet – Ergebnis: Überlanges Arbeiten kann zu zahlreichen Problemen führen, vor allem, wenn es regelmäßig vorkommt. „Erhöhte Mehrarbeit führt zu erhöhtem Risiko von Arbeitsunfällen. Das weiß die Wissenschaft schon seit mehr als zehn Jahren. 10 Stunden statt 8 Stunden – das erhöht das Unfallrisiko, und bei Erhöhung auf 12 Stunden erhöht es sich noch weiter“, sagte Arbeitsmediziner Robert Winker, der ebenfalls am ÖGA-Leitfaden mitgearbeitet hatte. Bei einer Erhöhung von 8 auf 12 Stunden gebe es eine Unfallrisiko-Erhöhung um 80 Prozent.

Alles, was 10 Stunden übersteigt, erhöht die Probleme im gesundheitlichen Bereich. Die Work-Life-Balance verschlechtert sich, und auch die psychische Gesundheit allgemein. Erich Pospischil, Präsident Öst. Gesellschaft für Arbeitsmedizin

Mehr als vier Überstunden pro Tag führen laut ÖGA zu steigendem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei mehr als 55 Wochenstunden erhöht sich das Risiko, Vorhofflimmern zu bekommen, um 40 Prozent – „und das ist ein wesentlicher Faktor für Hirnschlag!“, so Präsident Pospischil.

PendlerInnen: Wegzeit bedenken!

Nicht nur die Unfälle direkt am Arbeitsplatz, auch die Wegunfälle könnten zunehmen, wenn die ArbeitnehmerInnen nach einer 12-Stunden-Schicht noch ins Auto steigen. „PendlerInnen müssen ja nach der Arbeit irgendwie nachhause kommen.“ Im ländlichen Bereich seien die öffentlichen Verkehrsmittel nicht darauf eingestellt, dass so lange gearbeitet wird.

Es braucht Selbstbestimmung und Planbarkeit

Aber was tun, um die Belastung durch lange Arbeitszeiten zu reduzieren – außer einfach kürzer arbeiten? Pospischil: „Betriebe, die länger arbeiten lassen, müssen genau analysieren, ob Unfallrisiken eine Problematik darstellen.“ Das Führungsverhalten müsse verbessert werden, Grenzwerte müssen neu gestaltet werden, denn sie wurden auf acht Stunden Belastung ausgelegt und nicht auf 12. Das gelte sowohl für chemische Stoffe als auch für Lärm. Und: „Je stärker die ArbeitnehmerInnen bei der Arbeitszeit mitbestimmen können, desto geringer die Folgen im psychosozialen Bereich. Auch wichtig ist Planbarkeit.“

Im jetzigen Gesetz fehlen Rahmenbedingungen und Regeln für lange Arbeitszeiten. Wenn man die Arbeitszeit ausweitet, bräuchte es Instanzen wie Betriebsrat oder Arbeitsmedizin.

Wie beurteilen die Arbeitsmediziner das 12-Stunden-Tag-Gesetz, ein Jahr nachdem es in Kraft getreten ist? „Eine Ausdehnung der Arbeitszeit-Grenzen ist immer eine problematische Angelegenheit gewesen“, sagt Pospischil: „In der jetzigen gesetzlichen Grundlage fehlen Rahmenbedingungen. Wenn man die Arbeitszeit ausweitet, muss man Instanzen zur Gestaltung schaffen, zum Beispiel Betriebsrat oder Arbeitsmedizin. Im Straßenverkehr sagt man ja auch nicht nur: Alle sollen langsam fahren, und die Details bleiben ungeregelt.“

Kosten könnten bei der Allgemeinheit hängenbleiben

Jetzt profitieren die Unternehmen von längeren Arbeitszeiten. Die Langzeitkosten könnten bei der Allgemeinheit, also bei den SteuerzahlerInnen hängenbleiben. ÖGA-Präsident Erich Pospischil: „Man muss damit rechnen, dass gewisse Krankheiten öfter vorkommen. Das führt zu Kostenbelastung der Krankenkassen, aber langfristig auch des Pensionssystems.“

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