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Weihnachten ohne Geschenke

Immer mehr Menschen müssen mit dem Weihnachtsgeld offene Rechnungen begleichen

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu und Weihnachten rückt immer näher. Viele ArbeitnehmerInnen warten schon sehnsüchtig auf ihr Weihnachtsgeld, das im November oder spätestens Dezember am Konto sein wird. oegb.at hat sich umgehört, wofür die ArbeitnehmerInnen dieses Geld ausgeben – die Antworten sind erschütternd: Viele Menschen können das Weihnachtsgeld weder beiseitelegen noch es für Geschenke ausgeben, sondern müssen damit offene Rechnungen begleichen. 

Gewerkschaftlich erkämpfte Bonuszahlung 

Das Weihnachtsgeld ist in 98 Prozent der österreichischen Kollektivverträge geregelt und muss jedes Jahr aufs Neue von den Gewerkschaften verteidigt werden – die Höhe entspricht meist etwa einem Monatseinkommen.  Auch Teilzeitbeschäftigte, geringfügig Beschäftigte und FerienjobberInnen haben Anspruch auf Weihnachtsgeld, genauso wie ArbeitnehmerInnen in Kurzarbeit. Diese Bonuszahlung ist ursprünglich dafür gedacht, dass ArbeitnehmerInnen am Ende des Jahres Geld für Weihnachtsgeschenke übrighaben. Die Realität sieht für viele offenbar anders aus. 

Dringend benötigtes Zusatzeinkommen

Laut ÖGB-Facebook-Umfrage sind Sparen und Geschenke kaufen für österreichische ArbeitnehmerInnen heuer zweitrangig. Viele von ihnen mussten aufgrund von Kurzarbeit, unerwarteten Anschaffungen oder Reparaturen Zahlungen aufschieben, die sie sich von ihrem regulären Einkommen nicht mehr leisten konnten. Sie müssen das Weihnachtsgeld nutzen, um ihren Alltag weiter finanzieren zu können oder ihr Konto auszugleichen.

Alexandra K. berichtet beispielsweise, sie würde aktuell so wenig verdienen, dass sie noch gerade so über die Runden komme – da bleibe nichts mehr übrig, um zu sparen. Einige ArbeitnehmerInnen erzählen, sie müssten mit dem Geld Schulden abbezahlen. Sebastian E. berichtet, er könne ohne das Weihnachtsgeld selbst die Miete seiner Wohnung nicht mehr bezahlen. 

Der ÖGB fordert daher den Corona-Tausender als Bonus für alle HeldInnen, die unser Land in der Krise am Laufen halten. Vor allem in Krisenzeiten zeigt sich, wie wichtig der Einsatz von ArbeitnehmerInnen ist, die in systemrelevanten Branchen arbeiten und Tag für Tag einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Sie verdienen mehr als nur Klatschen und ein Danke – sie brauchen finanzielle Unterstützung.

Arbeitslose doppelt gestraft 

Doppelt gestraft sind die Menschen, die jetzt keinen Job haben, denn sie bekommen auch kein Weihnachtsgeld. Die Anzahl der Arbeitslosen in Österreich ist coronabedingt stark angestiegen – nach wie vor gibt es über 400.000 Arbeitslose. Menschen, die bereits vor der Krise armutsgefährdet waren, werden jetzt besonders hart getroffen. Die Coronakrise verschärft somit Armut und soziale Ungleichheit. 

Der ÖGB fordert daher vehement eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent. „Damit schützen wir alle, die jetzt unverschuldet arbeitslos geworden sind und aktuell keine Chance darauf haben, rasch wieder einen Job zu finden, vor einem finanziellen Totalabsturz“, so ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. „Gleichzeitig erhalten wir die Kaufkraft. Denn dieses Geld fließt eins zu eins wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück.“ 

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