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Oberösterreich

Wissenschaftlich bestätigt: Weniger arbeiten bringt mehr Jobs

ForscherInnen schlagen Arbeitszeitverkürzung vor, um Arbeitslosigkeit zu bekämpfen

Rekordarbeitslosigkeit und eine massive Pleitewelle – der heimische Arbeitsmarkt wird aktuell heftig erschüttert. Hunderttausende Menschen wissen nicht, wann sie wieder Arbeit haben werden. Klar ist: Es müssen neue Jobs her, und zwar rasch. Im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit wird immer wieder eine Arbeitszeitverkürzung vorgeschlagen. Reflexartig kommt ein „Nein“ von Seiten der Wirtschaft. Rückenwind für kürzere Arbeitszeiten kommt jetzt aus der Wissenschaft. Ein Team von Soziologen hat seine Erkenntnisse vorgelegt.   

Kürzer arbeiten statt Menschen auf die Straße setzen 

Stefanie Gerold von der TU Berlin fasst zusammen: „Eine Arbeitszeitverkürzung würde nicht nur einen wichtigen Beitrag dazu leisten, in der gegenwärtigen Situation Arbeitsplätze zu sichern bzw. zu schaffen. Kürzere Arbeitszeiten kommen Beschäftigten auch in Form von mehr Freizeit und „Zeitwohlstand“ zugute. Firmen profitieren davon, dass sie qualifizierte Beschäftigte im Betrieb halten können, die darüber hinaus ausgeruhter und produktiver ihrer Arbeit nachgehen.“ Sie unterstreicht, dass es für eine erfolgreiche Umsetzung einer Arbeitszeitverkürzung wichtig sei, „Beschäftigte und Gewerkschaften in den Änderungsprozess miteinzubeziehen“. 

Jörg Flecker von der Universität Wien sagt, dass eine Arbeitszeitverkürzung mittelfristig sogar einen größeren Zuwachs an Arbeitsplätzen bringe, weil die Qualifizierung der Arbeitssuchenden sich an die Nachfrage nach Arbeitskräften anpassen würde. 

Weniger arbeiten, schafft mehr Jobs 

In Österreich liegen derzeit einige Vorschläge für eine Arbeitszeitverkürzung auf dem Tisch. Einer davon ist jener der Gewerkschaft GPA-djp. Das Modell „90 für 80“ sieht vor, dass ArbeitnehmerInnen, die ihre Arbeitszeit freiwillig auf 80 Prozent reduzieren, 90 Prozent ihres Gehalts weiterbekommen. Die Differenz wird vom AMS finanziert und für die freiwerdende Zeit wird ein neuer Mitarbeiter oder eine neue Mitarbeiterin aufgenommen. Wenn vier ArbeitnehmerInnen ihre Zeit reduzieren, kann ein fünfter oder eine fünfte eingestellt werden.

Anders gesprochen: Wenn 200.000 Menschen ihre Arbeitszeit verkürzen, könnten 50.000 Menschen einen neuen Arbeitsplatz bekommen.

„Eine Arbeitszeitverkürzung wäre ein wichtiger Schritt zur Normalisierung unserer Arbeits- und Familienwelt.“ Miriam Rehm von der Universität Duisburg/Essen

Auch die Gesundheit gewinnt 

Kürzere Arbeitszeiten haben auch für Miriam Rehm von der Universität Duisburg/Essen viele Vorteile: „Die Forschung zeigt, dass eine kürzere Arbeitszeit sogar bei Teilzeit mit höherer Produktivität einhergeht. Auch der Staat hat eine gesündere, leistungsfähigere und zufriedenere Bevölkerung. Eine ausgewogen finanzierte und geschlechtergerechte Arbeitszeitverkürzung wäre somit ein wichtiger Schritt zur Normalisierung unserer Arbeits- und Familienwelt.“ Eine Win-win-Situation, die endlich grünes Licht braucht. 

Auch der ÖGB setzt sich seit jeher für kürzere Arbeitszeiten ein und begrüßt alle Formen der Arbeitszeitverkürzung, etwa die Vier-Tage-Woche, die sechste Urlaubswoche und reduzierte Wochenarbeitszeiten.

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