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In einem Gastkommentar in der Tiroler Tageszeitung unterstreicht Willi Mernyi, Bundesgeschäftsführer des Österreichischen Gewerkschaftsbunds, die Bedeutung des Pride Month. Fotos: Hintergrund © Davide Angelini – stock.adobe.com, W. Mernyi © Sebastian Philipp

Warum der Pride-Monat Juni notwendig ist

Der Pride-Monat Juni ist kein Marketing-Gag. Er ist notwendig – und zwar jeden Tag im Jahr.

Dieser Artikel ist unter dem Titel „Warum der Pride-Monat Juni notwendig ist“ am 5. Juni 2026 in der Tiroler Tageszeitung erschienen.

Während im Juni vielerorts Regenbogenfahnen wehen, sieht die Realität in Österreich oft anders aus: Rund jede fünfte queere Person versteckt am Arbeitsplatz, wer er oder sie ist. Nicht aus Scham. Sondern aus Angst vor blöden Sprüchen, Benachteiligung oder beruflichen Nachteilen.

Wer täglich Leistung bringt, Verantwortung trägt und Teil eines Teams ist, soll sich nicht fragen müssen, ob er oder sie offen sagen darf, wen man liebt oder wer man ist. Genau das aber passiert. Jeden Tag – in Büros, auf Baustellen, in Krankenhäusern oder in Lagerhallen. Menschen verstellen sich, schweigen, lügen. Wer sich täglich verstellen muss, um seinen Job zu behalten, kann nicht er selbst sein.

Das Gleichbehandlungsgesetz verbietet Diskriminierung. Doch Gesetze allein ändern keine Betriebskultur. Wer sich verstellen muss, zahlt einen hohen Preis: mit Gesundheit, Motivation und Würde. Und auch die Unternehmen verlieren – weniger Vertrauen, Engagement und Zusammenhalt. Gute Arbeit braucht ein gutes Klima. Angst ist der schlechteste Vorgesetzte.

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Deshalb hisst der ÖGB im Pride Month die Regenbogenfahne. Nicht als Symbolpolitik, sondern als klare Ansage: Niemand soll sich am Arbeitsplatz verstecken müssen. Vielfalt ist keine Bedrohung. Bedrohlich ist eine Gesellschaft, in der Menschen ihre Identität verbergen müssen, um akzeptiert zu werden.

Arbeitgeber tragen Verantwortung. Wegschauen geht nicht. Es braucht klare Kante gegen Homo- und Transphobie im Betrieb – verbindliche Antidiskriminierungsregeln, wirksame Beschwerdestrukturen, Schulungen für Führungskräfte und gelebte Vorbilder. Wer Diskriminierung duldet, macht sich mitschuldig. Wer Vielfalt fördert, gewinnt – an Fachkräften, Leistungsfähigkeit und Zukunft. Und ja: Es braucht mehr als Fahnen, nämlich lückenlosen gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung – auch außerhalb der Arbeitswelt. Pride erinnert uns daran, dass Würde nicht verhandelbar ist. Nicht im Juni. Nicht im Betrieb. Niemals.