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Teilzeit nicht Wunsch, sondern oft Notwendigkeit

Anderl: Altersarmut als Folge von zu wenig Kinderbildungsangeboten

Die Zahl der Frauen, die teilzeitbeschäftigt sind, ist in den letzten zehn Jahren stark gestiegen. Waren es im Jahr 2004 noch 134.300 Frauen, sind es heuer bereits 164.300. „Für viele Frauen ist Teilzeitarbeit kein Wunsch, sondern oft die einzige Möglichkeit Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen“, betont ÖGB-Vizepräsidentin und Bundesfrauenvorsitzende Renate Anderl anlässlich der gestern präsentierten Studienergebnisse des Instituts für Familienforschung. Die Beweggründe der betroffenen Frauen sähen die ÖGB-Frauen nicht in der Freiwilligkeit, vielmehr lässt hierzulande das Angebot an Plätzen in Kinderbildungseinrichtungen und familienfreundlichen Jobs zu wünschen übrig.

Nur für 14 Prozent der Unter-3-Jährigen und 35 Prozent der 3 bis 5-Jährigen gibt es einen Betreuungsplatz, der mit Vollzeit vereinbar ist. „In Oberösterreich ist die Lage besonders trist, so dass vielen Mütter kaum etwas anderes übrig bleibt, als eine Teilzeitstelle anzunehmen, wenn sie arbeiten wollen“, erklärt Bundesfrauensekretärin Isabella Guzi und fügt hinzu: „Auch jene, die einen Platz in einer Kinderbildungseinrichtung haben, sind mit diesem nicht immer glücklich: Kurze Öffnungszeiten, zu viele Schließtage und zu hohe Kosten in den Ferien beklagen mehr als 100.000 Eltern.“ Das bestätigt auch die gestern präsentierte Befragung des Gemeindebundes: 42 Prozent der Eltern fordern mehr Investitionen in Kinderbildungseinrichtungen.


Teilzeit führt zu Altersarmut

Teilzeitarbeit und ein unzureichendes Angebot an Kinderbildungseinrichtungen verhindere nicht nur Karrieren, sondern schmälere auch die späteren Pensionen der heute in Teilzeit Arbeitenden. Sie sind viel geringer als nach einem Erwerbsleben in Vollzeit. „Niedriglöhne führen zu Niedrigpensionen und damit zu Altersarmut, von der vor allem Frauen betroffen sind“, so Anderl. „Frauen müssen sich in der Zeit des Berufseinstiegs mit nur knapp 67 Prozent der Männereinkommen begnügen. Einen regelrechten Einkommenseinbruch erleben aber Frauen in dem Alter, wenn sie Kinder bekommen und die Betreuung am intensivsten ist. Frauen in dieser Altersgruppe erreichen nur mehr die Hälfte der Männereinkommen.“  

Forderungen der ÖGB-Frauen:

  • volle Anrechnung der gesetzlichen Karenzzeit auf alle Ansprüche
  • Arbeit neu bewerten, damit gleichwertige Arbeit gleich entlohnt wird
  • Ausbau qualitätsvoller Kinderbildungseinrichtungen mit bedarfsorientierten Öffnungszeiten
  • Einführung eines bezahlten "Papamonats"
  • Bevorzugung Teilzeitbeschäftigter bei der Nachbesetzung von Vollzeitstellen
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