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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund
Freiwilliges Engagement hat in Österreich einen großen Stellenwert. Zukünftig sollen bis zu fünf Blaulichttage
bei Einsätzen im Katastrophenfall bezahlt werden.

Blaulichttage werden bezahlt

vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit erklärt, wie wichtig Freiwilligenarbeit ist

Freiwilliges Engagement hat in Österreich einen großen Stellenwert. Nicht nur PensionistInnen, sondern vor allem junge Menschen engagieren sich überdurchschnittlich oft freiwillig. Sie leisten in ihrer Freizeit – zusätzlich zu ihrem bezahlten Alltagsberuf - einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft. oegb.at hat dazu mit vida-Vorsitzendem Roman Hebenstreit gesprochen.

oegb.at: Bei den letzten KV Verhandlungen im Bereich der Eisenbahnen wurde erreicht, dass man einen Tag für die Freiwilligenarbeit bei Blaulichtorganisationen bekommt. Nun wird der Nationalrat eine Entgeltzahlung für freiwillige Helfer, die aus öffentlichen Geldern bis zu fünf Tage im Katastrophenfall bezahlt werden sollen, entscheiden. Was bedeutet diese Regelung für die freiwilligen Helfer bzw. die ArbeitnehmerInnen?

Roman Hebenstreit: Das bedeutet für sie, dass sie für ihre wertvollen Tätigkeiten endlich die Anerkennung bekommen, die sie längst verdienen. Die freiwilligen HelferInnen müssen zukünftig für ihr großes Engagement für die Gesellschaft keine finanziellen Benachteiligungen mehr befürchten. Zurecht, denn ziviler Einsatz bei Feuerwehren, Rettungsorganisationen und in vielen Sozialbereichen ist eine unersetzbare Säule einer funktionierenden Solidargesellschaft. Bei den Bahnen profitieren die Beschäftigten dann noch mehr, da sie zu den bezahlten fünf Einsatztagen auch noch den bezahlten Blaulichttag für die Weiterbildung haben.

oegb.at: Der ÖGB und die Gewerkschaften haben schon lange Sonderurlaubstage für ehrenamtliches Engagement gefordert. Warum?

Hebenstreit: Einerseits waren wir immer der Ansicht, dass derart wertvolle Leistungen für die Gesellschaft nicht nur verbale Anerkennungen verdienen. Andererseits gewinnen HelferInnen und Gesellschaft zusätzlich davon, wenn solche Sonderurlaubstage auch zu Weiterbildungsmaßnahmen für die jeweilige ehrenamtliche Tätigkeit verwendet werden können. Jedes Wissen muss von Zeit zu Zeit aufgefrischt und ergänzt werden. Und schließlich können lange und schwere Einsätze enorme physische und körperliche Belastungen darstellen. Ich bin davon überzeugt, da ist es das Mindeste, was wir unseren HelferInnen schuldig sind, dass wir ihnen Zeit für Erholung und Verarbeitung von dramatischen Erlebnissen geben.

oegb.at: Warum ist freiwilliges Engagement generell wichtig für unsere Gesellschaft?

Hebenstreit: Ohne das Engagement der Freiwilligen würden viele Bereiche nicht so gut funktionieren, wie sie es dank der zahlreichen engagierten Menschen in den vielen gemeinnützigen Vereinen seit Jahrzehnten tun. Und man erlernt bei dieser Tätigkeit auch Solidarität in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen, im Umgang mit Menschen. Man erfährt, wie soziale Beziehungen entstehen und funktionieren, was Dankbarkeit, Freude, Hingabe und auch auf sich selbst stolz zu sein, bedeuten können.

Was wir seitens der Gewerkschaften aber nicht wollen, ist, dass Voll- und auch Teilzeitbeschäftigung durch Freiwilligenarbeit verdrängt werden. Es darf aber nicht geschehen, dass die Gesellschaft in gesamten Bereichen bezahlte Arbeit auf ehrenamtliche Tätigkeiten auslagert. Ehrenamtliche Arbeit darf daher von Arbeitgebern nicht ausgenutzt werden, um bezahlte Arbeitsplätze zu vernichten oder ArbeitgeberInnen unter Druck zu setzen. Wo immer das passiert, ersuche ich alle KollegInnen, sich bei den Gewerkschaften zu melden. Dem Ausspielen von Beschäftigten und Freiwilligen ist klar ein Riegel vorzuschieben.

oegb.at: Gibt es weitere offene Forderungen seitens der Gewerkschaften in diesem Bereich?

Hebenstreit: Die Rahmenbedingungen müssen weiter verbessert werden. Ich würde mir zudem wünschen, dass weitere Arbeitgeber den vorhandenen positiven Beispielen in der Wirtschaft, wie etwa bei den österreichischen Bahnen, von sich selbst aus folgen und die Freiwilligenarbeit ihrer MitarbeiterInnen stärker fördern und belohnen. Das könnte zum Beispiel mit zusätzlichen freien Tagen für Aus- und Weiterbildung im Rahmen der Tätigkeit für Blaulichtorganisationen geschehen oder die Gewährung von zusätzlichen freien Tagen zur Erholung nach längeren Einsätzen wie etwa nach Hochwasserkatastrophen sein. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass es unter bestimmten Voraussetzungen für alle ehrenamtlichen Tätigkeiten einen zusätzliche bezahlte Urlaubswoche geben könnte. Zudem könnte die Situation bei den Unfall- und Haftpflichtversicherungen verbessert und vereinheitlicht werden.
 

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