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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund

Tourismus: Arbeitszeitüberschreitungen

Arbeitsinspektorat deckt schwere Missstände in Vorarlberger Hotels auf

Die Gastronomie sucht Fachkräfte, vor allem im Westen Österreichs fehlt mehr und mehr qualifiziertes Personal. Die zuständige Gewerkschaft vida warnt schon lange, dass die Arbeitsbedingungen in der Branche seit Jahren immer unattraktiver für Beschäftigte werden. Das Arbeitsinspektorat hat jetzt bei Schwerpunktkontrollen wieder dramatische Arbeitszeitüberschreitungen in Vorarlberger Hotels festgestellt.

Kontrollen bringen erschreckende Ergebnisse

Insgesamt hat das Arbeitsinspektorat knapp 60 österreichische Hotel- und Gastgewerbebetriebe kontrolliert, berichtet orf.at. Die Ergebnisse sind erschreckend: In sechs der Betriebe musste das Personal ohne Ruhetag die Woche durcharbeiten. 23 der Betriebe hielten sich nicht an das von türkis-blau ohnehin schon ausgeweitete neue Arbeitszeitgesetz, dass seit September 2018 in Kraft ist. Drei Hoteliers in Montafon und am Arlberg ließen ihre Angestellten sogar mehr als 90 Stunden in der Woche arbeiten und wurden aufgrund dieser schwerwiegenden Übertretungen bei der Bezirkshauptmannschaft angezeigt.

„Dass es schwarze Schafe gibt, war bekannt. Die Anzahl und das Ausmaß der nun vom Arbeitsinspektorat festgestellten Verstöße bildet aber eine neue Dimension und stellt den größten Skandal der letzten Jahre dar“, sagt Reinhard Stemmer, Landesvorsitzender der Gewerkschaft vida in Vorarlberg.

"Das neue Arbeitszeitgesetz der Ex-Bundesregierung hat diese massiven Überschreitungen der Arbeitszeit erst möglich gemacht. Die Grenze für Verstöße bei den Arbeitszeiten hat sich deutlich nach oben verschoben. Dieses Gesetz ist nicht bis zu Ende gedacht worden und gehört dringend überarbeitet. Wir brauchen ein Arbeitszeitgesetz, das faire Bedingungen für die Beschäftigten schafft, und die ArbeitnehmervertreterInnen miteinbezieht“, fordert Stemmer und spricht sich auch für höhere Strafen aus.

Schlechte Arbeitsbedingungen verursachen Personalnotstand

Die betroffenen Betriebe argumentieren mit Personalnot – es wäre anders nicht möglich gewesen, die Arbeit zu bewältigen. Doch die schlechten Arbeitsbedingungen mit niedriger Bezahlung, hoher Arbeitsbelastung und wenig attraktiven Arbeitszeiten lassen den Personalmangel erst entstehen.

„Es wird weder inländische noch ausländische ArbeitnehmerInnen geben, die sich unter diesen Voraussetzungen um einen Job in der österreichischen Tourismuswirtschaft reißen“, sagt Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida. Die Arbeitgeber seien vielmehr aufgefordert, unabhängig der gesetzlichen Möglichkeiten, endlich ordentliche Rahmenbedingungen in den Betrieben zu schaffen. „Tourismus ohne Beschäftigte, egal woher sie kommen, wird auch in Zukunft nicht funktionieren. Erschöpfte und demotivierte MitarbeiterInnen sind der falsche Weg, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein“, betont Tusch.

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