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Tirol

Philip Wohlgemuth stellt sich vor

Der neue ÖGB-Vorsitzende im Interview

Du hast dich schon sehr früh für die Gewerkschaftsbewegung engagiert. Warum?
Ich bin seit rund 15 Jahren gewerkschaftspolitisch tätig. Zuerst als Landesjugendvorsitzender der damaligen Gewerkschaft HGPD, später der Gewerkschaft vida und ab 2007 als Landesjugendsekretär des ÖGB Tirol, später als Sekretär und seit 2013 als Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft vida. Wir, eine kleine, junge motivierte Gruppe, wollten uns schon damals gewerkschaftspolitisch engagieren. Und sehr schnell habe ich erkannt was Solidarität bedeutet und wie sehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine starke Interessensvertretung wie den ÖGB benötigen. Und wir müssen gemeinsam, mit voller Kraft, weiterkämpfen, dass die Gewerkschaftsbewegung jenen Stellenwert in unserem Land erhält und weiterhin hat, den sie sich verdient haben. Damals wie heute ist die Gewerkschaftsbewegung ein starker Partner für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Welche Erfahrungen nimmst du aus deiner Zeit als Landesjugendsekretär mit für deine neue Funktion?
Die Zeit als Landesjugendsekretär des ÖGB Tirol war eine sehr intensive, interessante, lehrreiche und fordernde Aufgabe. Ich erinnere mich gerne an diese Zeit zurück. Wir – die Gewerkschaftsjugend - konnten viel erreichen und umsetzen und hatten immer einen großen Gestaltungsspielraum. Diese Zeit hat einen Vollblutgewerkschafter aus mir gemacht. Nicht nur gewerkschaftspolitisch inhaltlich, auch organisatorisch. Die Bedeutung der Lehrausbildung ist eine ganz große. Wir haben eines der besten Ausbildungssysteme der Welt, das duale Ausbildungssystem. Und die Lehrlinge von heute, sind die Fachkräfte von morgen. Betriebe müssen ihrer Verantwortung nachkommen und genügend Fachleute ausbilden. Nicht nur wegen des Wirtschaftsstandortes Tirol, sondern auch in Hinsicht auf die Zukunftschancen der jungen Menschen in unserem Land. Und es muss uns gelingen, die Lehre noch attraktiver zu gestalten. Daher ist die Forderung der Gewerkschaftsjugend nach einer kollektivvertraglichen Mindestlehrlingsentschädigung von € 700,-- mehr als nur gerechtfertigt. Es braucht aber darüber hinaus weitere Maßnahmen, um die Lehre noch attraktiver zu machen. Einen Ausbau der Berufs- und Bildungsorientierung ab der ersten Bildungsstufe, die Übernahme der Internatskosten, noch immer müssen sich sehr viele Lehrlinge ihr Berufsschulinternat selbst bezahlen, wären Maßnahmen, welche die Gewerkschaftsbewegung weiterhin verfolgen muss. Ich werde jedenfalls mit der Gewerkschaftsjugend Seite an Seite für Verbesserungen eintreten.

Wie würdest du die derzeitige Rolle der Gewerkschaftsbewegung in Tirol beschreiben?
Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, egal welcher Form von Beschäftigung sie nachgehen, benötigen eine starke Interessensvertretung. Die ArbeitnehmerInnenvertretungen müssen noch näher zusammenrücken und an einem Strang ziehen, um gemeinsam für Verbesserungen einzutreten. Als Gewerkschaftsbewegung müssen wir sicherstellen, dass die Menschen ein Einkommen zum Auskommen haben. 98% aller Arbeitsverhältnisse sind durch Kollektivverträge abgesichert und dadurch sorgen wir als Gewerkschaftsbewegung nicht nur für soziale Gerechtigkeit, eine Verteilungsgerechtigkeit und eine Chancengleichheit, sondern auch für ein geregeltes Einkommen. Die Lebenserhaltungskosten gehören zu den höchsten von ganz Österreich. Besonders der Kostenpunkt Wohnen belastet die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sehr und daher ist ein gutes und geregeltes Einkommen von noch größerer Bedeutung. Wir dürfen unser Ziel nicht aus den Augen verlieren, als ersten Schritt einen kollektivvertraglichen Mindestlohn von € 1.500,-- Brutto umzusetzen und als weiteren Schritt € 1.700,--. Die Gewerkschaftsbewegung hat stets eine führende Rolle in der Sozialpartnerschaft übernommen. Schon in der Vergangenheit hat die Sozialpartnerschaft bewiesen, dass sie gemeinsam richtige Antworten in Sachen Wirtschafts- und Sozialpolitik erarbeiten kann. Ich darf in diesem Zusammenhang an die übergebenen Sozialpartnerpapiere vom Frühjahr 2017 erinnern. Sie Sozialpartnerschaft lebt und das werden wir auch in Zukunft beweisen.


Welche Herausforderungen erwarten deiner Meinung nach in Zukunft die ArbeitnehmerInnen und worin kann die Gewerkschaft sie unterstützen?
Wer Teilzeit arbeitet, ist besonders häufig von Armut und Altersarmut betroffen. Laut Arbeitsmarktstatistik befinden sich rund 100.000 ArbeitnehmerInnen in Tirol in Teilzeit. Rund 85% davon sind Frauen. Viele dieser Frauen wollen gerne mehr Stunden arbeiten oder einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen. Und es muss gelingen, diesen Frauen eine Vollzeitbeschäftigung zu ermöglichen und die Rahmenbedingungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Kinderbetreuungseinrichtungen sind flächendeckend auszubauen und Kinderbetreuungszeiten sind so anzupassen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet wird. Und wenn wir die nächsten Jahre am Arbeitsmarkt positiv bestehen wollen, dann müssen wir auch einen Blick Richtung Alternsgerechte Arbeitsplätze und Gesundheit am Arbeitsplatz nehmen. Wenn wir demographischen Wandel in der Arbeitswelt positiv meistern wollen, dann müssen wir die Arbeitsfähigkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in das zentrale Blickfeld rücken. Und jede Form der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit ist zu unterstützen, auch wenn es erste positive Anzeichen gibt. Es muss zusätzliches Geld in die aktive Arbeitsmarktpolitik fließen und es sollte vor allem in soziale Infrastruktur wie Pflege- und Bildung öffentlich investiert werden.

Was dürfen wir von dir in der kommenden Funktionsperiode erwarten?
Begeisterung, Leidenschaft und den vollen Einsatz für den ÖGB und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in unserem Land. Nur wenn wir gemeinsam agieren, Solidarität und Stärke beweisen, kann die Gewerkschaftsbewegung noch stärker auftreten und nicht nur inhaltlich wachsen, sondern auch weiterhin steigende Mitgliedszahlen verbuchen. Ich freue mich auf die nächsten Jahre und verspreche mich mit vollem Engagement für Verbesserungen der Arbeitnehmerschaft einzusetzen.

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